Grauer Star Spezialisten aus Wien schenken in Guatemala Licht und Hoffnung
- Augenarzt Online

- 10. Feb.
- 3 Min. Lesezeit

Augenlicht für Guatemala: Wie ein Wiener Chirurg Menschen das Sehen zurückgibt
Für viele Menschen im guatemaltekischen Hochland ist eine Augenoperation kein medizinischer Routineeingriff, sondern die letzte Hoffnung gegen die Erblindung.
Genau hier setzt das Hilfsprojekt „Augen auf Guatemala" an. Im Februar 2026 versorgte ein Ärzteteam vor Ort über 900 Patientinnen und Patienten und führte rund 180 Operationen durch – ein Großteil davon am Grauen Star. Mit dabei war der Wiener Augenarzt Dr. med. Konstantin Seiller-Tarbuk, der sich auf die Operation des Grauen Stars spezialisiert hat und sowohl am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien als auch in seiner eigenen Ordination operiert.
„Wer einem Menschen das Augenlicht zurückgibt, greift weit über die Medizin hinaus ins Leben hinein", sagt Dr. Seiller-Tarbuk. „Plötzlich kann jemand wieder das Gesicht seiner Kinder erkennen, allein über den Markt gehen, arbeiten, lesen. Was mich am stärksten berührt hat, ist, dass mit dem Sehen auch die Zuversicht zurückkehrt – nicht nur bei den Operierten selbst, sondern in ihren ganzen Familien."
Eine ganze Region ohne Augenärzte
Guatemala ist das bevölkerungsreichste Land Zentralamerikas – und in der augenmedizinischen Versorgung dramatisch unterversorgt. Besonders dünn ist das Netz im westlichen Hochland auf 2.500 bis 3.000 Metern Seehöhe.
Dort leben rund 800.000 Menschen, überwiegend indigene Maya, praktisch ohne Zugang zu fachärztlicher Augenheilkunde.
Gegründet wurde „Augen auf Guatemala" 2022 von der Wiener Augenärztin Dr. med. Montserrat Masats, die das Projekt heute gemeinsam mit Dr. Seiller-Tarbuk leitet. Getragen wird die Arbeit von der österreichischen Entwicklungsorganisation ICEP und der lokalen Partnerorganisation FUNDAP.

Komplexe Eingriffe, die viel Erfahrung verlangen
Die Katarakt Operationen in Guatemala sind alles andere als Routine. Weil viele Erkrankungen erst spät erkannt und behandelt werden, sind die Fälle oft weit fortgeschritten und chirurgisch deutlich anspruchsvoller als hierzulande. „Ich habe das große Glück, in einer der größten Augenabteilungen Österreichs zu arbeiten und dort täglich zu operieren", sagt Dr. Seiller-Tarbuk.
„Diese tägliche Routine – gerade auch mit komplexen Kataraktoperationen – ist überhaupt erst die Voraussetzung dafür, dass solche Einsätze möglich sind."
Denn Operationen im Ausland anzubieten, verlangt weit mehr als chirurgisches Geschick: fundiertes Wissen über unterschiedliche OP-Techniken, Geräte und Linsen, verlässliche Kontakte zu Herstellern und Pharmaunternehmen, die das Projekt und das Team sehr großzügig unterstützen, und nicht zuletzt ein eingespieltes Team aus Expertinnen und Experten, das jedes Jahr mitreist.

Drei Wochen, die viele Leben verändern
Der Einsatz im Februar 2026 war bereits die vierte Reise des Teams ins Hochland – diesmal wieder nach Xela, wie die Stadt Quetzaltenango genannt wird. Drei Wochen lang wurde untersucht, beraten und operiert. Die mehr als 180 Eingriffe am Grauen Star und am Pterygium einer Wucherung der Bindehaut – bedeuten für die Betroffenen oft den Unterschied zwischen Abhängigkeit und einem selbstbestimmten Leben: wieder arbeiten zu können, die eigenen Enkel klar zu sehen, ohne fremde Hilfe durch den Alltag zu kommen.
Neben den Operationen ging es um die Breitenversorgung: Über 900 Menschen wurden untersucht und diagnostiziert, Brillen verschrieben und – wo möglich – kostenlos abgegeben, Augentropfen verteilt und ausführliche Beratungsgespräche geführt. Wichtig war dem Team dabei auch der Blick auf die Lebensumstände der Patientinnen und Patienten, etwa auf das Familieneinkommen und das berufliche Umfeld.
Hilfe zur Selbsthilfe
Ein besonderes Anliegen ist Dr. Seiller-Tarbuk die Ausbildung junger Ärztinnen und Ärzte vor Ort. Wissen weiterzugeben, statt nur einmal im Jahr zu operieren, ist für ihn der nachhaltigste Teil des Projekts.
„Mir ist die Ausbildung der jungen Kolleginnen und Kollegen im Land besonders wichtig"
„Nur so entsteht echte Hilfe zur Selbsthilfe – eine Versorgung, die langfristig auch ohne uns funktioniert."
Versorgung über den Einsatz hinaus
Gearbeitet wurde wie in den Vorjahren an zwei Standorten in Xela – im Hospital von „Pro Ciegos y Sordos" und in der Klinik von FUNDAP. Über die Jahre ist daraus ein enges, vertrauensvolles Verhältnis zu den lokalen Ärztinnen und Ärzten gewachsen. Entscheidend ist, dass die Versorgung nicht mit der Abreise endet: Sämtliche Nachkontrollen sowie die nötigen Medikamente waren bereits vor dem Rückflug organisiert.
Der nächste Einsatz ist für Februar 2027 geplant. Ein zusätzlicher Schwerpunkt wird dann die Behandlung von Diabetes und diabetisch bedingten Augenerkrankungen sein – ein Bereich, der in der Region zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Spendenmöglichkeit
Projekt „Augen auf – Guatemala"
Spendenkonto: IBAN: AT72 2011 1282 5225 3206
BIC: GIBAATWWXXX
Kontoinhaber: ICEP – Verein für globale Entwicklung
Spenden sind steuerlich absetzbar.
Weitere Informationen: icep.at/augenauf


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