Welche Symptome hat man bei Grünem Star (Glaukom)?
- augenarztonline
- 19. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Der Grüne Star, medizinisch Glaukom, ist eine der häufigsten Ursachen für irreversible Sehschäden weltweit. Besonders gefährlich ist die Erkrankung nicht wegen dramatischer Anfangssymptome, sondern genau wegen ihres leisen, schleichenden Verlaufs. Viele Menschen leben jahrelang mit einem Glaukom, ohne etwas davon zu ahnen. Erst wenn das Sehen spürbar eingeschränkt ist, wird die Erkrankung entdeckt – oft zu spät, um entstandene Schäden noch auszugleichen. Umso wichtiger ist es, die typischen Symptome, Hintergründe und Therapieprinzipien zu kennen.
Beschwerden oft erst bei fortgeschrittener Erkrankung
In den meisten Fällen beginnt der Grüne Star völlig unauffällig. Zu Beginn treten in der Regel keine Schmerzen, keine Rötung und keine subjektive Sehverschlechterung auf. Das zentrale Sehen – also das, was wir direkt anschauen – bleibt lange erhalten. Genau das macht die Erkrankung so heimtückisch. Viele Betroffene fühlen sich sicher, weil sie im Alltag gut sehen können. Doch währenddessen kann der Sehnerv bereits langsam geschädigt werden. Erst wenn ein erheblicher Teil der Nervenfasern verloren gegangen ist, werden erste Einschränkungen bemerkt.
Erklärung der Gesichtsfeldeinschränkung
Das Gesichtsfeld beschreibt den gesamten Raum, den wir mit beiden Augen gleichzeitig wahrnehmen können, während der Blick geradeaus auf einen festen Punkt gerichtet bleibt. Es umfasst also nicht nur das scharfe Sehen in der Mitte, sondern auch alles, was wir „nebenbei“ wahrnehmen. Beim Grünen Star sterben nach und nach Sehnervenfasern ab. Dadurch fallen einzelne Bereiche des Gesichtsfeldes aus. Diese Ausfälle beginnen meist am Rand des Gesichtsfeldes, sehr langsam und unbemerkt. Mit der Zeit kommt es zu einer immer stärkeren Einengung – oft als Tunnelblick bezeichnet. Typisch ist, dass Betroffene:
beim Autofahren die Straße vor sich gut sehen, aber Fußgänger, Radfahrer oder Fahrzeuge von der Seite übersehen
häufiger an Türrahmen oder Möbel anstoßen
unsicher beim seitlichen Einparken oder beim Überqueren von Straßen werden
Probleme bei Dämmerung oder schnellen Lichtwechseln bemerken
Im fortgeschrittenen Stadium können sogar zentrale Gesichtsfeldbereiche betroffen sein – mit massiven Einschränkungen im Alltag.
Akuter Glaukomanfall – selten, aber gefährlich
Neben der häufigen, langsam verlaufenden Form gibt es den akuten Glaukomanfall (Engwinkelglaukom). Dieser unterscheidet sich deutlich vom „stillen“ Grünen Star.
Typische Symptome sind:
plötzlich einsetzende starke Augen- und Kopfschmerzen
stark gerötetes, hartes Auge
deutlich verschwommenes Sehen
farbige Ringe oder Halos um Lichtquellen
Übelkeit und Erbrechen
Ein akuter Glaukomanfall ist ein augenärztlicher Notfall, der sofort behandelt werden muss, um das Augenlicht zu retten.
Therapie verhindert nur die Verschlechterung
Ein besonders wichtiger Punkt in der Aufklärung: Die Behandlung des Grünen Stars kann bereits entstandene Schäden nicht rückgängig machen. Abgestorbene Sehnervenfasern regenerieren sich nicht, ausgefallene Gesichtsfeldbereiche kehren nicht zurück.
Das Ziel jeder Therapie ist daher:
das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen oder zu verlangsamen
den verbliebenen Sehnerv so gut wie möglich zu schützen
Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Chancen, das vorhandene Sehvermögen langfristig zu erhalten.
Daher: Früherkennung ist entscheidend
Da der Grüne Star lange keine spürbaren Symptome verursacht, ist eine Früherkennung nur durch augenärztliche Untersuchungen möglich. Dazu gehören unter anderem:
Messung des Augeninnendrucks
Beurteilung des Sehnervenkopfes
Gesichtsfeldmessung
Ein normaler Sehtest oder eine Brillenbestimmung reicht nicht aus, um ein frühes Glaukom zu erkennen. Deshalb ist die regelmäßige Kontrolle beim Augenarzt – besonders bei Risikofaktoren – so wichtig.
Schädigung der Sehnerven – das „Kabel zum Gehirn“
Beim Grünen Star wird der Sehnerv, also die Verbindung zwischen Auge und Gehirn, geschädigt. Man kann ihn sich wie ein empfindliches Kabel vorstellen, das Bildinformationen weiterleitet. Häufig liegt ein Missverhältnis zwischen Augeninnendruck und der Durchblutung des Sehnervs vor. Ist der Druck zu hoch oder die Durchblutung zu schlecht, wird der Sehnerv dauerhaft geschädigt – oft langsam und unbemerkt.
Von alleine oder als Folge anderer Erkrankungen
Ein Glaukom kann:
primär auftreten, also ohne erkennbare Ursache
sekundär entstehen, z. B. als Folge von:
Diabetes mellitus
Gefäß- und Durchblutungsstörungen
Augenverletzungen oder Entzündungen
langandauernder Kortisontherapie
Risikofaktoren
Zu den wichtigsten Risikofaktoren für einen Grünen Star zählen:
höheres Lebensalter (besonders ab 40–45 Jahren)
Glaukomerkrankungen in der Familie
erhöhter Augeninnendruck
starke Kurz- oder Weitsichtigkeit
niedriger Blutdruck oder andere Durchblutungsstörungen
Diabetes mellitus
langfristige Einnahme von Kortison
Je mehr Risikofaktoren vorliegen, desto wichtiger sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen.
Ziel aller Behandlungen: den Augeninnendruck senken
Unabhängig von der gewählten Methode gilt: Alle Glaukomtherapien haben das Ziel, den Augeninnendruck so zu senken, dass der Sehnerv möglichst gut geschützt wird.
Medikamente oder Laser: In den meisten Fällen beginnt die Behandlung mit drucksenkenden Augentropfen. Sie müssen regelmäßig angewendet werden und sind oft eine dauerhafte Therapie. Ergänzend oder alternativ können Laserbehandlungen eingesetzt werden, um den Abfluss des Kammerwassers zu verbessern und den Druck zu senken.
Operationen: Reichen Medikamente und Laser nicht aus, stehen verschiedene operative Verfahren zur Verfügung, zum Beispiel: filtrierende Operationen, Drainageimplantate, minimalinvasive Glaukomchirurgie.
Welche Therapie sinnvoll ist, hängt vom individuellen Krankheitsverlauf ab.
Fazit
Der Grüne Star ist eine stille, aber ernsthafte Gefahr für das Augenlicht. Dabei wird der Sehnerv – das „Kabel zum Gehirn“, das die Bildinformationen vom Auge weiterleitet – schleichend und dauerhaft geschädigt. Da frühe Anzeichen kaum spürbar sind, wird die Erkrankung oft erst erkannt, wenn bereits bleibende Sehverluste entstanden sind. Diese Schäden lassen sich nicht rückgängig machen. Umso wichtiger ist die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt, denn nur eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten und das Augenlicht langfristig schützen.



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