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Kontaktlinsen für Jugendliche – ab wann sind sie sinnvoll?

Viele Jugendliche wünschen sich Kontaktlinsen – sei es für den Sport, aus ästhetischen Gründen oder weil sie sich im Alltag durch eine Brille eingeschränkt fühlen. Gleichzeitig fragen sich Eltern: Ab welchem Alter sind Kontaktlinsen überhaupt geeignet und sicher? Die kurze Antwort lautet: Es gibt kein Mindestalter für Kontaktlinsen. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern die Reife, Motivation und Verantwortungsbereitschaft des Kindes oder Jugendlichen.


Gibt es ein Mindestalter für Kontaktlinsen?

Rechtlich gibt es keine Altersgrenze für das Tragen oder den Kauf von Kontaktlinsen. Medizinisch können Kontaktlinsen sogar schon ab etwa 8 Jahren getragen werden – in besonderen Fällen (z. B. nach einer Grauen-Star-Operation) sogar früher. In der Praxis empfehlen Augenärzte und Kontaktlinsenspezialisten den Einstieg meist zwischen 11 und 14 Jahren, da in diesem Alter:

  • die Feinmotorik ausreichend entwickelt ist

  • Jugendliche Hygieneanweisungen verstehen und umsetzen können

  • Verantwortung für Pflege und Tragezeiten realistischer übernommen wird

Der häufigste Einstieg liegt dennoch etwas später, etwa zwischen 13 und 16 Jahren – einfach, weil dann die nötige Selbstständigkeit meist vorhanden ist.


Die wichtigste Voraussetzung: Verantwortungsbewusstsein

Kontaktlinsen sind kein Spielzeug. Damit sie sicher getragen werden können, muss ein Jugendlicher bereit sein, bestimmte Regeln konsequent einzuhalten. Dazu gehören:

  • gründliches Händewaschen vor jedem Ein- und Absetzen

  • korrekte Reinigung bzw. täglicher Austausch der Linsen

  • Einhalten der empfohlenen Tragezeiten

  • kein Schlafen mit Linsen (außer speziell erlaubte Nachtlinsen)

  • regelmäßige Kontrolltermine beim Augenarzt oder Optiker

Gerade am Anfang sollten Eltern mitmachen und unterstützen, um Routinen zu festigen. Studien zeigen: Wenn diese Regeln beachtet werden, ist das Risiko für Komplikationen nicht höher als bei Erwachsenen.


Warum Kontaktlinsen für Jugendliche sinnvoll sein können

Für viele Jugendliche bieten Kontaktlinsen echte Vorteile:

  • Sport und Bewegung sind ohne Brille oft einfacher und sicherer

  • kein Beschlagen oder Verrutschen

  • größeres Gesichtsfeld

  • ästhetische Gründe und gesteigertes Selbstbewusstsein

Bei Babys oder Kleinkindern werden Kontaktlinsen dagegen ausschließlich aus medizinischen Gründen eingesetzt – etwa bei bestimmten Linsenerkrankungen. Für Jugendliche stehen meist Alltagstauglichkeit und Komfort im Vordergrund.


Die richtige Kontaktlinsenart – immer individuell

Es gibt keine „Standard-Kontaktlinse“ für Jugendliche. Die Auswahl erfolgt immer individuell durch einen Augenarzt oder Kontaktlinsenspezialisten und berücksichtigt:

  • Sehstärke und Hornhautform

  • Tränenfilm und Augengesundheit

  • Lebensstil (Sport, Bildschirmarbeit, Tragehäufigkeit)

  • Motivation und Pflegebereitschaft


So läuft der Anpassungsprozess ab

  1. Umfassende Augenuntersuchung

    Messung von Sehstärke, Hornhautform, Tränenfilm und allgemeiner Augengesundheit.

  2. Anpassung von Probelinsen

    Die Linsen werden direkt getestet – Sitz, Sehschärfe und Tragegefühl werden überprüft.

  3. Einweisung und Probezeit

    Jugendliche lernen das sichere Ein- und Absetzen sowie die Pflege. Eine Probephase stellt sicher, dass alles gut vertragen wird.

  4. Regelmäßige Kontrollen

    Besonders bei Jugendlichen sind halbjährliche Checks wichtig.


Weiche Kontaktlinsen (Tages- oder Monatslinsen)

Weiche Kontaktlinsen (als Tages- oder Monatslinsen) eignen sich besonders für Einsteiger, für den Sport und sowohl für gelegentliches als auch tägliches Tragen. Sie schmiegen sich an die Hornhaut an und werden deshalb meist schnell als sehr angenehm empfunden; das Auf- und Absetzen gilt im Vergleich zu anderen Linsentypen als relativ einfach, was sie für unerfahrene Träger attraktiv macht. Tageslinsen werden nach einmaligem Tragen entsorgt, wodurch keine Reinigung nötig ist und das Infektionsrisiko sinkt, was diese Variante besonders hygienisch macht. Einschränkungen gibt es bei sehr hohen Dioptrien oder speziellen Hornhautformen, da hier mit Standard-Weichlinsen nicht immer die bestmögliche Sehschärfe erreicht wird. Monatslinsen müssen hingegen täglich gründlich gereinigt, desinfiziert und korrekt aufbewahrt werden; bei nachlässiger Pflege steigt das Risiko für Ablagerungen und Entzündungen deutlich an.


Formstabile (harte) Kontaktlinsen

Formstabile (harte) Kontaktlinsen werden häufig bei hohen Sehstärken, ausgeprägtem Astigmatismus oder bestimmten Konstellationen mit trockenen Augen eingesetzt. Durch ihre stabile Form liefern sie oft ein sehr scharfes, kontrastreiches Sehen, insbesondere wenn die Hornhaut unregelmäßig ist. Sie sind robust und können bei guter Pflege über mehrere Jahre verwendet werden, wodurch sich die anfänglich höheren Kosten verteilen. Zudem ermöglichen moderne formstabile Materialien eine gute Sauerstoffversorgung der Hornhaut, was aus augenphysiologischer Sicht vorteilhaft ist. Im Unterschied zu weichen Linsen werden sie anfangs jedoch deutlich stärker gespürt; die Eingewöhnungszeit kann sich über Tage bis Wochen erstrecken, in denen das Tragen als störend empfunden wird und etwas Durchhaltevermögen erfordert.​


Ortho-K-Linsen (Nachtlinsen)

Ortho-K-Linsen, also spezielle formstabile Nachtlinsen, werden vor allem bei Kindern und Jugendlichen mit fortschreitender Kurzsichtigkeit eingesetzt, können aber auch für Erwachsene mit geringer bis mittlerer Myopie interessant sein. Diese Linsen werden ausschließlich nachts im Schlaf getragen und modellieren die Hornhautoberfläche so, dass das Licht am nächsten Tag wieder korrekt auf der Netzhaut fokussiert wird, wodurch tagsüber in vielen Fällen keine Brille oder Kontaktlinsen nötig sind. Verschiedene Studien zeigen, dass Ortho-K die Progression der Kurzsichtigkeit im Durchschnitt bremsen kann und deshalb als Methode der Myopie-Kontrolle gilt, auch wenn die Fehlsichtigkeit dadurch nicht dauerhaft „geheilt“ wird. Die Methode setzt allerdings eine sehr regelmäßige Anwendung voraus: Wird die Linse nachts nicht getragen, kehrt die Hornhaut innerhalb weniger Tage in ihre Ausgangsform zurück und die Kurzsichtigkeit macht sich tagsüber wieder bemerkbar. Hinzu kommen höhere Kosten durch individuelle Anpassung, spezielle Materialien, Pflegemittel und engmaschige Kontrollen. Außerdem erfordert Ortho-K eine hohe Disziplin in Bezug auf Hygiene, Trageroutine und regelmäßige augenärztliche oder kontaktlinsenoptische Nachkontrollen, um eine stabile Sehqualität bei möglichst geringem Komplikationsrisiko zu gewährleisten.


Risiken und Nebenwirkungen – realistisch betrachtet

Grundsätzlich gelten für Kinder und Jugendliche die gleichen Risiken wie für Erwachsene. Probleme entstehen jedoch häufiger durch mangelnde Hygiene, falsche Anpassung und die Missachtung der Tragezeiten. Häufige Nebenwirkungen sind trockene oder gereizte Augen, Brennen, Rötung oder Fremdkörpergefühl und allergische Reaktionen auf Material oder Pflegemittel. Seltene, aber ernsthafte Risiken sind Infektionen der Hornhaut (Keratitis) – meist durch schlechte Reinigung oder Übernacht-Tragen, Hornhautverletzungen durch falsches Handling und Sauerstoffmangel, wenn ungeeignete Linsen zu lange getragen werden. Die gute Nachricht: Bei korrekter Anwendung sind schwere Komplikationen selten und vergleichbar mit Erwachsenenwerten.


Wie sich Risiken deutlich reduzieren lassen

  • konsequente Hygiene (Hände waschen, frische Lösung)

  • Tragezeiten strikt einhalten

  • Tageslinsen für Einsteiger bevorzugen

  • keine „Internet-Hacks“ oder Tipps aus Social Media

  • regelmäßige Kontrollen beim Fachpersonal

  • Elternaufsicht besonders in der Anfangszeit


Fazit: Alter ist zweitrangig – Verantwortung zählt

Kontaktlinsen können für Jugendliche eine sichere, komfortable und alltagstaugliche Alternative zur Brille sein. Entscheidend ist nicht das Geburtsdatum, sondern Motivation, Hygiene-Bewusstsein und eine zuverlässige Betreuung durch Augenarzt oder Optiker. Kurz gesagt: Wenn ein Jugendlicher bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, können Kontaktlinsen bereits im frühen Teenageralter sinnvoll sein – sicher, bequem und mit hoher Lebensqualität.

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