top of page

Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) – Ursachen, Behandlung und Risiken im Überblick

Aktualisiert: vor 7 Tagen

Eine Hornhautverkrümmung, medizinisch Astigmatismus genannt, gehört zu den häufigsten Sehfehlern. Viele Menschen sind betroffen, oft ohne es zunächst zu wissen. Verschwommenes Sehen, verzerrte Linien oder Probleme beim Lesen und Autofahren können typische Anzeichen sein. Die gute Nachricht: Es gibt heute zahlreiche Möglichkeiten, eine Hornhautverkrümmung effektiv zu korrigieren – von einfachen Sehhilfen bis hin zu modernen operativen Verfahren. Doch welche Behandlung ist sinnvoll? Und welche Risiken gibt es?


Was ist eine Hornhautverkrümmung überhaupt?

Bei einer Hornhautverkrümmung ist die Hornhaut nicht gleichmäßig rund geformt, sondern eher oval. Dadurch werden Lichtstrahlen nicht korrekt gebündelt, was zu unscharfem oder verzerrtem Sehen führt.



Man unterscheidet zwei Formen:

  • Regelmäßiger Astigmatismus: Die häufigste Form, gut korrigierbar

  • Unregelmäßiger Astigmatismus: Komplexer, oft durch Erkrankungen oder Narben verursacht

Die Art und Ausprägung entscheidet maßgeblich darüber, welche Behandlung infrage kommt.


Nicht-operative Behandlungsmöglichkeiten

Für die meisten Betroffenen beginnt die Behandlung ganz klassisch – ohne Operation.

  • Brille mit Zylindergläsern

    Die Standardlösung bei regelmäßiger Hornhautverkrümmung. Spezielle Gläser gleichen die ungleichmäßige Brechkraft der Hornhaut aus. Vorteil: sicher, unkompliziert und ohne Risiko für das Auge. Nachteil: keine dauerhafte Lösung.

  • Torische Kontaktlinsen

    Diese speziell geformten Linsen gleichen (ähnlich wie Zylindergläser) die ungleichmäßige Brechkraft der Hornhaut direkt auf der Augenoberfläche aus. Vorteil: sehr gute Sehqualität, besonders im Alltag oder beim Sport. Risiko: trockene Augen, Reizung oder Infektionen bei falscher Pflege.

  • Harte (formstabile) Kontaktlinsen

    Vor allem bei unregelmäßiger Hornhautverkrümmung sinnvoll. Sie „überdecken“ die unregelmäßige Hornhautform optisch. Vorteil: oft bessere Korrektur bei komplexen Fällen. Nachteil: gewöhnungsbedürftig.


Laserbehandlungen – dauerhafte Korrektur?

Wer unabhängig von Brille oder Kontaktlinsen sein möchte, denkt häufig über eine Laserbehandlung nach.

  • PRK / LASEK / trans-PRK

    Oberflächenverfahren, bei denen die Hornhaut von außen modelliert wird. Geeignet für: dünnere Hornhaut oder wenn kein Hornhaut-Flap (wie bei LASIK) gewünscht ist. Nachteil: längere Heilungszeit.

  • LASIK / Femto-LASIK

    Die bekanntesten Verfahren. Hier wird ein dünner Hornhautdeckel (Flap) erzeugt und die darunterliegende Schicht gelasert. Vorteil: schnelle Sehverbesserung. Risiko: mögliche Flap-Komplikationen (z.B.: Verschiebungen, Falten und Epithel-Einwachsen).

  • SMILE / SMILE Pro

    Moderne, minimalinvasive Technik mit kleinerem Eingriff in die Hornhautstruktur. Vorteil: gewebeschonender. Einschränkung: nicht für alle Formen des Astigmatismus geeignet.


Linsenverfahren – Alternative zum Lasern

Wenn die Hornhaut zu dünn ist oder eine stärkere Fehlsichtigkeit vorliegt, kommen Linsenoperationen infrage.

  • Implantierbare Kontaktlinse (ICL)

    Eine künstliche Linse wird zusätzlich ins Auge eingesetzt. Geeignet für: hohe Fehlsichtigkeit oder ungeeignete Hornhaut für Laser.

  • Refraktiver Linsenersatz

    Die natürliche Linse wird durch eine künstliche ersetzt – ähnlich wie beim Grauen Star.

  • Torische Multifokallinse

    Kann zusätzlich Altersweitsichtigkeit korrigieren und mehrere Sehbereiche abdecken.

  • Seltene Option: Hornhauttransplantation

    Nur in Ausnahmefällen notwendig – etwa bei stark geschädigter oder unregelmäßiger Hornhaut. Dabei wird die eigene Hornhaut ganz oder teilweise ersetzt.


Welche Behandlung ist die richtige?

Die Entscheidung hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Stärke der Hornhautverkrümmung

  • Dicke und Stabilität der Hornhaut

  • Regelmäßigkeit der Verkrümmung

  • Begleitende Fehlsichtigkeiten

  • Alter und Lebensstil

Eine ausführliche augenärztliche Untersuchung ist daher unerlässlich.


Faustregel:

  1. Zuerst Brille oder Kontaktlinsen

  2. Bei Wunsch nach dauerhafter Lösung → Laser

  3. Bei ungeeigneter Hornhaut → Linsenverfahren


Risiken und Nebenwirkungen – was man wissen sollte

Gerade bei operativen Verfahren ist eine realistische Einschätzung wichtig.

  • Häufige, meist vorübergehende Beschwerden

    • Trockene Augen

    • Lichtempfindlichkeit

    • Halos oder Blendung (besonders nachts)

    • Schwankende Sehschärfe

    • Fremdkörpergefühl oder Reizung

    Diese Symptome treten häufig auf und bessern sich meist innerhalb von Wochen.

  • Seltener, aber wichtig

    • Infektionen oder Entzündungen

    • Hornhauttrübungen (v. a. bei PRK/LASEK)

    • Flap-Komplikationen bei LASIK

    • Über- oder Unterkorrektur

    • Hornhaut-Ektasie (Ausdünnung und Instabilität der Hornhaut)

    Letztere ist selten, aber eine ernstzunehmende Komplikation.

  • Wer hat ein erhöhtes Risiko?

    Einige Faktoren können das Risiko für Komplikationen erhöhen:

    • Sehr dünne Hornhaut

    • Hohe Fehlsichtigkeit

    • Bestehende Hornhauterkrankungen (z. B. Keratokonus)

    • Ungünstige Augenoberfläche oder trockene Augen

    • Höheres Alter

    In solchen Fällen werden oft alternative Verfahren empfohlen.


Behandlung von leichten Komplikationen

Viele Probleme lassen sich gut behandeln:

  • Trockene Augen → befeuchtende Augentropfen

  • Reizung → entzündungshemmende Medikamente

  • Restfehlsichtigkeit → Nachkorrektur oder Brille


Wann sollte man dringend zum Arzt gehen?

Bestimmte Symptome sollten jedoch ernst genommen werden:

  • Plötzliche Verschlechterung der Sehkraft

  • Starke Schmerzen oder Druckgefühl

  • Deutliche Rötung oder Schwellung

  • Lichtblitze, Schatten oder viele neue schwarze Punkte

  • Milchige oder trübe Hornhaut

In solchen Fällen ist eine rasche augenärztliche Abklärung wichtig – im Zweifel lieber zu früh als zu spät.


Fazit: Viele Wege zu besserem Sehen

Die Behandlung der Hornhautverkrümmung ist heute vielseitig und individuell anpassbar. Während Brille und Kontaktlinsen die sicherste und einfachste Lösung darstellen, bieten Laser- und Linsenverfahren die Möglichkeit einer dauerhaften Korrektur. Entscheidend ist jedoch: Nicht jede Methode passt zu jedem Auge und nicht jede vermeintlich „bequemste“ Lösung ist auch die beste. Wer sich gut informiert und eine sorgfältige augenärztliche Beratung in Anspruch nimmt, hat die besten Chancen auf ein langfristig gutes Sehergebnis.

 

Kommentare


bottom of page