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Was ist Augendruck – und weshalb spielt er eine so große Rolle?

Obwohl wir ihn nicht bewusst wahrnehmen, ist der Augendruck ein entscheidender Faktor für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit unseres Sehvermögens. Wie ein stiller Wächter sorgt er dafür, dass unsere Augen funktionieren – Tag für Tag. Doch gerät dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht, kann das ernste Folgen haben.


Was ist Augendruck überhaupt?

Der sogenannte Augeninnendruck – medizinisch als intraokularer Druck (IOD) bekannt – beschreibt den physikalischen Druck innerhalb des Augapfels. Dieser entsteht durch das Zusammenspiel von Produktion und Abfluss des Kammerwassers, einer klaren Flüssigkeit, die im vorderen Teil des Auges zirkuliert. Kammerwasser versorgt wichtige Strukturen wie Linse und Hornhaut mit Nährstoffen und sorgt gleichzeitig für die Stabilität des Auges.


Der normale Augeninnendruck liegt bei etwa 10 bis 21 mmHg. Innerhalb dieses Bereichs bleibt das Auge funktionstüchtig und gesund – ein empfindliches Gleichgewicht, das ständig überwacht werden muss.


Warum ist der Augendruck so wichtig?

1. Erhalt von Form und Funktion

Der Augendruck verleiht dem Auge seine charakteristische Kugelform. Nur durch diesen inneren Druck bleibt die Hornhaut glatt und die Abstände zwischen Linse, Hornhaut und Netzhaut konstant – entscheidend für eine scharfe Bildwahrnehmung. Ist der Druck zu niedrig oder zu hoch, gerät dieses Gleichgewicht aus der Bahn – und das Sehen wird gestört.


2. Schutz vor gefährlichen Schäden

Ein dauerhaft zu hoher Augendruck kann schwerwiegende Schäden verursachen, insbesondere am empfindlichen Sehnerv. Die bekannteste Folge ist das Glaukom (Grüner Star) – eine Erkrankung, die oft schleichend beginnt, aber unbehandelt zur Erblindung führen kann.

Andererseits kann auch ein zu niedriger Druck gefährlich sein: In diesem Fall besteht die Gefahr, dass sich die Netzhaut ablöst, was das Sehvermögen ebenfalls stark beeinträchtigen kann.


3. Frühzeitige Erkennung rettet Sehkraft

Da Veränderungen des Augeninnendrucks meist symptomlos verlaufen, ist eine regelmäßige Kontrolle unerlässlich – insbesondere ab dem 40. Lebensjahr oder bei familiärer Vorbelastung. Die Häufigkeit der Messung richtet sich dabei nach Alter und individuellen Risikofaktoren:


  • Ab 40 Jahren: Es wird empfohlen eine Kontrolle alle zwei Jahre durchzuführen, um ein mögliches Glaukom frühzeitig zu erkennen.

  • Ab 60 Jahren: Aufgrund des steigenden Risikos sollte der Augeninnendruck mindestens einmal jährlich bis alle zwei Jahre überprüft werden.

  • Bei Risikofaktoren: Menschen mit starker Fehlsichtigkeit, familiärer Glaukomvorbelastung, Diabetes oder bereits erhöhten Druckwerten sollten ihren Augeninnendruck häufiger messen lassen – etwa jährlich oder sogar in noch kürzeren Abständen.

  • Bei bestehendem Glaukom: Liegt bereits ein Glaukom vor oder zeigen sich auffällige Befunde, empfiehlt sich eine Kontrolle alle drei Monate, um den Verlauf engmaschig zu überwachen und die Therapie entsprechend anzupassen.


Nur durch eine regelmäßige Tonometrie – die präzise Messung des Augeninnendrucks – lassen sich gefährliche Abweichungen frühzeitig erkennen und behandeln, lange bevor dauerhafte Schäden am Sehnerv entstehen.


Was passiert, wenn der Augeninnendruck zu hoch ist?

Ein erhöhter Augeninnendruck kann – wenn er unbehandelt bleibt – zu irreversiblen Schäden führen:


  • Schädigung des Sehnervs: Der übermäßige Druck kann die feinen Nervenfasern des Sehnervs abklemmen, sodass sie nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Die Folge: Die Nervenzellen sterben ab – ein Prozess, der nicht rückgängig zu machen ist.

  • Entstehung eines Glaukoms (Grüner Star): Der wichtigste Risikofaktor für diese chronische Erkrankung ist ein dauerhaft erhöhter Augendruck. Ein Glaukom verläuft häufig unbemerkt, beginnt mit Gesichtsfeldausfällen im Randbereich und kann sich bis zur zentralen Erblindung fortentwickeln.

  • Verschlechterung der Sehkraft: Mit fortschreitender Schädigung des Sehnervs nimmt auch die Sehleistung ab – schleichend, aber stetig. Im Extremfall kann ein unbehandeltes Glaukom zur vollständigen Erblindung führen.

  • Symptome: Meist fehlen Beschwerden in der Frühphase. Erst bei einem akuten Glaukomanfall treten plötzlich Symptome auf: starke Augenschmerzen, Kopfschmerzen, gerötete Augen, Sehverschlechterung, Übelkeit oder sogar Erbrechen.

  • Irreversible Schäden: Ist der Sehnerv einmal geschädigt, lässt sich das nicht mehr reparieren. Umso wichtiger ist die frühzeitige Erkennung und Behandlung, um bleibende Sehverluste zu verhindern.


Risikofaktoren für einen erhöhten Augeninnendruck

Mehrere Faktoren können den Augeninnendruck erhöhen und somit das Risiko für Augenerkrankungen wie das Glaukom steigern. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:


  • Alter: Mit steigendem Alter nimmt das Risiko für erhöhten Augeninnendruck und Glaukom deutlich zu.

  • Familiäre Vorbelastung: Eine genetische Disposition erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Augeninnendruck steigt oder ein Glaukom entsteht.

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Dazu zählen Bluthochdruck, niedriger Blutdruck, Arteriosklerose und Herzrhythmusstörungen. Schwankungen und Störungen des Blutdrucks wirken sich negativ auf die Durchblutung des Auges aus.

  • Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus und chronisch erhöhte Blutfettwerte können die Blutgefäße schädigen und so den Augeninnendruck erhöhen.

  • Starke Kurz- oder Weitsichtigkeit: Besonders hohe Fehlsichtigkeiten gelten als Risikofaktor.

  • Dünne Hornhaut: Eine verminderte Dicke der Hornhaut kann zu einer Überschätzung des gemessenen Augendrucks führen.

  • Durchblutungsstörungen und Gefäßkrämpfe: Vasospasmen, Migräne, Raynaud-Syndrom und andere vaskuläre Dysfunktionen beeinträchtigen die Versorgung des Sehnervs.

  • Langjährige Kortisontherapie: Die Einnahme von Kortison, auch als Augentropfen, kann den Augeninnendruck erhöhen.

  • Bestimmte Medikamente: Neben Kortison können auch andere Arzneimittel wie Antidepressiva oder pupillenerweiternde Mittel das Risiko steigern.

  • Autoimmunerkrankungen: Krankheiten, die die Blutgefäße angreifen, können den Augeninnendruck beeinflussen.

  • Stress: Anhaltender Stress kann den Blutdruck und damit auch den Augeninnendruck erhöhen.

  • Rauchen und Alkoholkonsum: Nikotin verengt die Blutgefäße, was die Durchblutung des Auges beeinträchtigen kann.

  • Übergewicht, Schlaf- oder Flüssigkeitsmangel: Diese Faktoren können sich ebenfalls negativ auf den Augeninnendruck auswirken.


Maßnahmen bei erhöhtem Augeninnendruck

Ein erhöhter Augeninnendruck lässt sich durch medizinische Maßnahmen und einen bewussten Lebensstil positiv beeinflussen:


Medizinische Therapie

  • Augentropfen zur Senkung des Kammerwassers oder Verbesserung des Abflusses.

  • Laserbehandlung zur Unterstützung des Abflusses, wenn Tropfen nicht ausreichen.

  • Operationen bei fortgeschrittenem Verlauf zur dauerhaften Drucksenkung.


Ernährung & Lebensstil

  • Täglich 2–3 Liter Wasser, gleichmäßig verteilt, zur Unterstützung des Augenstoffwechsels.

  • Gesunde Ernährung: Wenig Zucker, Weißmehl und Transfette. Stattdessen Omega-3-Fettsäuren (z. B. in Lachs, Walnüssen) und Antioxidantien (z. B. Beeren, Spinat).

  • Verzicht auf schädliche Substanzen: Reduzierter Konsum von Koffein, Alkohol und Nikotin – grüner Tee ist eine gute Alternative.


Bewegung & Entspannung

  • Regelmäßige Bewegung (mehrmals pro Woche) wie Schwimmen, Radfahren oder Spazierengehen fördert die Durchblutung.

  • Stressreduktion durch Yoga, Meditation oder Atemübungen – da Dauerstress den Druck erhöhen kann.


Augenpflege im Alltag

  • Regelmäßige Augenübungen wie Blinzeln oder Fokussieren helfen bei Entspannung und Augengesundheit.

  • Bildschirmpausen: Alle 20 Minuten für 20 Sekunden in die Ferne schauen.


Fazit:

Abschließend lässt sich sagen: Ein erhöhter Augeninnendruck schleicht sich oft unbemerkt heran – viele Menschen tragen jahrelang ein Risiko in sich, ohne es zu ahnen. Sobald jedoch erste Symptome auftreten, ist die Erkrankung meist schon fortgeschritten und der Sehnerv hat bereits Schaden genommen. Da erhöhter Augeninnendruck zu den häufigsten Ursachen vermeidbarer Erblindung zählt, ist die regelmäßige augenärztliche Kontrolle der sicherste Weg zur Vorsorge. Je früher eine Veränderung erkannt wird, desto besser lässt sich das Sehvermögen langfristig erhalten. Gerade Menschen mit mehreren Risikofaktoren sollten augenärztliche Kontrollen nicht aufschieben. Denn wer frühzeitig handelt, schützt nicht nur sein Sehvermögen – sondern bewahrt auch ein Stück Lebensqualität.

 
 
 

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