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Sehkraft in der Schwangerschaft: Was sich verändert

vor 11 Minuten
3 Min. Lesezeit

Schwangerschaft verändert den Körper auf vielen Ebenen, und die Augen bleiben davon nicht ausgenommen. Viele Frauen sind überrascht, wenn plötzlich die Kontaktlinsen kratzen, die Augen abends brennen oder Buchstaben gegen Ende der Schwangerschaft leicht verschwommen wirken. Meist stecken dieselben Hormone dahinter, die auch sonst im Körper für Veränderungen sorgen. In den allermeisten Fällen ist das harmlos. Es gibt aber eine Ausnahme, bei der Sehveränderungen sofort ärztlich abgeklärt werden müssen, und die sollten Sie kennen.


Schwangere Frau tropft sich zuhause Augentropfen gegen trockene Augen ein

Warum reagieren die Augen auf Schwangerschaftshormone?

Östrogen und Progesteron beeinflussen praktisch jedes Gewebe im Körper, auch die Augenoberfläche. Sie verändern die Zusammensetzung des Tränenfilms und wirken sich auf den Wassergehalt des Gewebes aus.


Die Hornhaut, die transparente Schicht ganz vorne am Auge, kann dadurch geringfügig anschwellen und minimal dicker werden. Das klingt zunächst beunruhigend, ist aber eine bekannte und meist folgenlose Reaktion auf die hormonelle Umstellung.


Sie betrifft nicht jede Schwangere gleich stark, und manche Frauen bemerken überhaupt nichts davon. Auch die allgemeine Flüssigkeitseinlagerung, die viele Schwangere ohnehin an Händen und Füßen bemerken, macht vor dem Augengewebe nicht halt und trägt zu den kleinen, meist vorübergehenden Veränderungen bei.


Trockene Augen und Kontaktlinsen

Die häufigste Beschwerde ist ein trockeneres, manchmal auch gereiztes Gefühl in den Augen. Grund dafür ist die veränderte Tränenfilmzusammensetzung: Die Tränenflüssigkeit benetzt die Augenoberfläche weniger gleichmäßig, wodurch sie schneller verdunstet.


Wer Kontaktlinsen trägt, spürt das oft zuerst, weil die Linsen normalerweise auf einen stabilen Tränenfilm angewiesen sind. Manche Trägerinnen berichten, dass die Linsen gegen Ende des Tages spürbar unangenehmer sitzen als sonst, oder dass sich die gewohnte Tragezeit plötzlich verkürzt. Auch die leichte Verdickung der Hornhaut kann hier eine Rolle spielen, weil sie die Passform der Linse geringfügig verändert. Feuchtigkeitsspendende Augentropfen ohne Konservierungsstoffe helfen in den meisten Fällen gut weiter.


Bleibt die Trockenheit trotzdem hartnäckig und bessert sich auch nach der Geburt kaum, lohnt sich ein genauerer Blick darauf, ob wirklich nur hormonelle Ursachen dahinterstecken, denn nicht jede Trockenheit erklärt sich allein durch die Schwangerschaft.


Kann sich die Sehstärke wirklich verschieben?

Ja, das kommt vor, auch wenn es seltener ist als trockene Augen. Durch die Flüssigkeitseinlagerungen und die leichte Formveränderung der Hornhaut kann sich die Brechkraft des Auges minimal verschieben.


Manche Frauen bemerken das erst gegen Ende der Schwangerschaft als ein leicht verschwommenes Bild, besonders beim Lesen oder am Bildschirm. Andere merken kaum etwas.


Die Ausprägung schwankt von Frau zu Frau stark, und ein Zusammenhang mit der Anzahl vorheriger Schwangerschaften oder mit bestehenden Refraktionsfehlern lässt sich nicht pauschal vorhersagen.


Warum eine neue Brille meist noch warten kann

Auch wenn das verschwommene Sehen lästig ist: Eine neue Brille oder ein neues Kontaktlinsenrezept ist während der Schwangerschaft in der Regel keine gute Idee. Die Sehstärke bildet sich nach der Geburt meist von selbst wieder zurück, sobald sich der Hormonspiegel und der Flüssigkeitshaushalt normalisiert haben.


Wer sich jetzt neue Gläser anfertigen lässt, riskiert, kurz nach der Geburt schon wieder eine falsche Stärke zu tragen. Sinnvoller ist es, akute Beschwerden mit Tropfen zu lindern und mit einer Neuverordnung bis einige Wochen nach der Entbindung zu warten, wenn sich die Werte stabilisiert haben.


Wann werden Sehstörungen zum Warnzeichen?

Neu auftretende, deutliche Sehstörungen sollten immer umgehend von einem Augenarzt abgeklärt werden, nur dieser kann mit Sicherheit feststellen, dass keine behandlungsbedürftige Ursache besteht. Insbesondere wenn sie zusammen mit Kopfschmerzen oder erhöhtem Blutdruck auftreten. Dazu zählen etwa plötzliches Verschwommensehen, Lichtblitze, flimmernde Punkte im Gesichtsfeld oder ein Ausfall im Blickfeld.


Diese Kombination kann auf eine Präeklampsie hinweisen, eine schwangerschaftsbedingte Erkrankung mit erhöhtem Blutdruck, die unbehandelt gefährlich für Mutter und Kind werden kann. Treten solche Symptome auf, ist das kein Fall für Abwarten oder für den nächsten regulären Termin. Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe auf, in der Geburtsklinik, bei Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen, notfalls in der Notaufnahme.


Was Sie selbst tun können

Bei den harmlosen, hormonell bedingten Veränderungen helfen meist einfache Maßnahmen: befeuchtende Augentropfen, ausreichend trinken und Bildschirmpausen, in denen bewusst geblinzelt wird. Kontaktlinsenträgerinnen sollten bei zunehmenden Beschwerden nicht zögern,

zeitweise auf die Brille umzusteigen, statt die Augen zu strapazieren.


Wer unsicher ist, welche Tropfen in der Schwangerschaft geeignet sind, bespricht das am besten kurz mit der behandelnden Ärztin oder dem Apotheker, denn nicht jedes Präparat ist uneingeschränkt zu empfehlen. Eine augenärztliche Kontrolle schadet nie, gerade wenn Unsicherheit besteht, ob eine Veränderung noch im normalen Rahmen liegt.


Neu aufgetretene Sehveränderungen sollten immer zeitnah von einem Augenarzt untersucht werden! Dies gilt insbesondere in der Schwangerschaft, da nur dieser eine behandlungsbedürftige Erkrankung ausschließen kann.

 
 
 

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