top of page

Augen auf Guatemala: Wenn Blinde wieder sehen können

Im guatemaltekischen Hochland bedeutet eine Augenerkrankung oft den Unterschied zwischen Erblindung und einem selbstbestimmten Leben. Möglich machen das die beiden Wiener Augenärzte Dr. med. Montserrat Masats und Dr. med. Konstantin Seiller-Tarbuk, die das Hilfsprojekt „Augen auf Guatemala" gemeinsam leiten – und Menschen, die sich augenärztliche Versorgung nie leisten könnten, das Sehen zurückgeben.


Für Dr. Masats, die gebürtige Spanierin, war der Ruhestand nach mehr als 40 Jahren an der Augenabteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Wien nie ein Ziel. „Mein Beruf war für mich immer eine Berufung, nie bloß ein Job", sagt sie. Genau deshalb wollte sie ihr Wissen und ihre Erfahrung auch jenen Menschen zur Verfügung stellen, die keine finanziellen Mittel haben – und rief das Projekt ins Leben.


Dr. Seiller-Tarbuk, Spezialist für die Operation des Grauen Stars, bringt die chirurgische Schlagkraft ein, die solche Einsätze überhaupt erst ermöglichen. „Ich habe das große Glück, in einer der größten Augenabteilungen Österreichs zu arbeiten und dort täglich zu operieren", sagt er. „Diese Routine – gerade auch mit komplexen Fällen – ist die Voraussetzung dafür, dass wir vor Ort wirklich helfen können."


Fünf Koffer voller Hilfe

Am 13. Februar 2024 brach das Team bereits zum zweiten Mal nach Guatemala auf – im Gepäck fünf Koffer mit Brillen, Intraokularlinsen, feinchirurgischen Instrumenten, Verbandsmaterial und Medikamenten. Mit dabei waren neben Dr. Masats und Dr. Seiller-Tarbuk die Augenärztin Priv.-Doz. Dr. Sibylla Richter-Müksch sowie die OP-Diplompflegekraft Andrea Jandrisits.


Ziel des rund zweiwöchigen Einsatzes war ein Spital in Quetzaltenango, einer Stadt im westlichen Hochland auf über 2.200 Metern Seehöhe. In dieser überwiegend von Maya-Nachfahren bewohnten Region ist augenärztliche Versorgung kaum vorhanden – und für die arme Bevölkerung praktisch unbezahlbar.


Wenn ein Arztbesuch unerschwinglich ist

Wie groß die Lücke ist, machen die Zahlen deutlich: Ein Besuch beim Augenarzt kostet vor Ort umgerechnet rund 150 Euro, eine Operation am Grauen Star zwischen 1.500 und 2.000 Euro. Dem steht ein durchschnittliches Monatseinkommen von etwa 400 Euro gegenüber – bei nahezu fehlender Krankenversicherung. Die Folge: Mehr als 90 Prozent der behandelten Patientinnen und Patienten waren zuvor noch nie bei einem Augenarzt.


Das häufigste Leiden ist der Graue Star, viele Betroffene sind beinahe blind. Verbreitet ist auch das sogenannte Flügelfell (Pterygium): ein Gewebe, das vor allem durch die intensive Sonneneinstrahlung entsteht, von der Bindehaut bis zur Pupille wuchert, die Sicht beeinträchtigt und eine starke Hornhautverkrümmung verursacht.


Sehtest bei einer Patientin in der Augenambulanz
Sehtest bei einer Patientin in der Augenambulanz

Grauer Star schon ab 40

Auffällig ist, dass der Graue Star in der Region bereits ab dem 40. Lebensjahr stark verbreitet ist. Die Ärztinnen und Ärzte vermuten ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: einseitige Ernährung, ein dadurch belasteter Stoffwechsel und eine sehr hohe UV-Belastung. Sonnenbrillen sind kulturell wenig verbreitet, mitunter spielen auch Unfälle eine Rolle.


Eine zusätzliche Herausforderung: Weil die Erkrankungen oft erst spät behandelt werden, sind die Fälle vor Ort meist weit fortgeschritten und chirurgisch deutlich anspruchsvoller als in Österreich. Hier zahlt sich die tägliche OP-Erfahrung des Teams bestehend aus Wiener Kataraktchirurgen aus. In Österreich dauert die Entfernung des Grauen Stars nur etwa 15 Minuten – diesen Standard will das Team von AugenAuf auch in Guatemala umsetzen. Das Ziel: mindestens 50 Betroffene nach österreichischem Standard zu operieren. Voraussetzung dafür war Vertrauen, das mithilfe der einheimischen Ärztinnen und Ärzte rasch aufgebaut werden konnte.



Geschichten, die bleiben

Hinter den Eingriffen stehen bewegende Schicksale.


Andrea Sanchez, 55 Jahre alt und Mutter von sieben Kindern, war wegen ihres Grauen Stars erblindet und konnte ihren Haushalt nicht mehr versorgen – diese Aufgaben hatte ihr Mann übernehmen müssen, der auf einer Kaffeeplantage arbeitet. Um rechtzeitig in der Klinik zu sein, brach sie bereits um Mitternacht auf; Fahrt und Übernachtung bezahlten ihre erwachsenen Kinder. Nach der kostenlosen Operation war ihre Erleichterung mit Händen zu greifen: Endlich könne sie wieder sehen und für ihre Familie sorgen.


Ähnlich ergriffen reagierte der 55-jährige Rene Gonzalez, der vor dem Eingriff fast blind gewesen war. Bei der Nachkontrolle umarmte er unter Tränen seine Frau – endlich könne er sie und seine Kinder wieder sehen. Es sind genau diese Momente, die für das gesamte Team die schönste Belohnung sind.


Grauer Star Operation eines jungen Mannes
Grauer Star Operation eines jungen Mannes

Eine beeindruckende Bilanz

Auch nüchtern betrachtet war der Einsatz ein Erfolg: Mehr als 300 Patientinnen und Patienten wurden in der Augenambulanz behandelt, 150 Brillen verteilt und 50 Kataraktoperationen durchgeführt. Hinzu kamen Hunderte Packungen Medikamente, um Infektionen nach den Eingriffen zu vermeiden – Arzneien, die sich die Betroffenen selbst nie hätten leisten können.


Ein gemeinsames Herzensanliegen von Dr. Masats und Dr. Seiller-Tarbuk ist die Ausbildung vor Ort: Junge Augenärztinnen, Augenärzte und Pflegekräfte aus Quetzaltenango wurden geschult, damit die Versorgung langfristig auch ohne das Team aus Wien funktioniert. „Nur so entsteht echte Hilfe zur Selbsthilfe", betont Dr. Seiller-Tarbuk.


Experte für Grauer Star in Wien - Dr. Seiller-Tarbuk Konstantin
Dr. Seiller-Tarbuk und sein Team führen die erste erfolgreiche Kataraktoperation durch.

Wie Sie helfen können

Im Februar 2025 reiste das Team erneut nach Guatemala – und auch in den Folgejahren geht die Arbeit weiter. Umgesetzt wird das Projekt gemeinsam mit ICEP, einer unabhängigen österreichischen Entwicklungsorganisation mit ausbildungsorientiertem Ansatz und Partnern unter anderem in Lateinamerika.


Wer „Augen auf Guatemala" unterstützen möchte, kann auf das Spendenkonto von ICEP einzahlen:

IBAN: AT72 2011 1282 5225 3206

BIC: GIBAATWWXXX

Kontoinhaber: ICEP – Verein für globale Entwicklung


Spenden sind steuerlich absetzbar.


Weitere Informationen: icep.at/augenauf

 
 
 

Kommentare


bottom of page