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Goldmann Applanationstonometrie

Goldmann Applanationstonometrie

ICD-10: iA06_ICD10 + iA07_ICD10Beschreibung

Eine der am weitesten verbreitete und im klinischen Alltag als   Goldstandart etablierte Methode zur Bestimmung des Augendrucks ist die „Applanationstonometrie nach   Goldmann“.


Dabei wird die Kraft   gemessen, die notwendig ist, um das Auge eine vordefinierte Fläche   abzuflachen. Anhand der gemessenen Werte kann auf den Innendruck des Auges   rückgeschlossen werden.


Die Messung selbst   dauert nur einige Sekunden und ist nach Verabreichung von schmerzstillenden   Augentropfen schmerzfrei.

Augendruck - Definition

Als Augeninnendruck oder   intraokulären Druck bezeichnet man den Druck, der auf der Innenwand des Auges   lastet und für die Form und Stabilität des Augapfels verantwortlich ist.   Außerdem ermöglicht er   einen gleichbleibenden Abstand der optischen Medien (Hornhaut, Linse,   Netzhaut), der für ein scharfes Sehen notwendig ist. Er entsteht durch die   ständige Produktion von Kammerwasser, das nur gegen Widerstand aus dem Auge   abfließen kann.


Normalerweise liegt der Augendruck zwischen 10 und 21 mmHg. Und   beträgt durchschnittlich 15,6 +/- 3 mmHg. Die tagesrhythmische Schwankung beträgt   zwischen 1 und 5 mmHg.


Kammerwasser

Das Kammerwasser spielt eine wichtige Rolle für die Regulation des   Augeninnendrucks. Es wird im Epithel des Ziliarkörper gebildet und fließt   zwischen Iris und Augenlinse durch die Pupille in der Vorderkammer, von wo es   über das Trabekelwerk des Kammerwinkels und den Schlemm‘schen Kanal wieder   abfließen kann.


Das Auge ist nämlich nicht hohl, sondern mit einer gelartigen Struktur   dem Glaskörper (Corpus vitreum) und dem Kammerwasser gefüllt. Nimmt die Menge   des intraokulären Kammerwassers zu, so steigt auch der Augeninnendruck an.   Kommt es beispielsweise zu einer vermehrten Produktion von Kammerwasser oder   zu einem reduzierten Abfluss, so führt dies zu einer Steigerung des   Augeninnendrucks.

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Augendruckmessung

Goldmann-Applanationstonometrie – Messprinzip

Imbert-Fick Gesetz

Die   Applanationstonometrie basiert auf den physikalischen Grundlagen des   Imbert-Fick Gesetztes. Dieses besagt, dass die Kraft F, die notwendig ist, um   eine Kugel (Auge) so abzuflachen, dass eine Fläche A entsteht, genau so groß   ist wie der Druck P im inneren der Kugel mit der abgeflachten Fläche A   multipliziert.


F = P x A


Allerdings lässt sich   dieses Gesetz nur begrenzt auf das Auge anwenden. Das Gesetz gilt eigentlich   nur für sphärische Oberflächen mit unendlich dünner Hülle und ohne   Eigensteifheit. Außerdem dürfen keine Volumenverschiebungen im Inneren der   Kugel stattfinden. Das menschliche Auge erfüllt jedoch keine dieser   Grundvoraussetzungen. Demnach müsste das Imbert-Fick‘sche Gesetz wie folgt   angepasst werden, wobei B der Rigidität und S der Oberflächenspannung/   Kapillarkraft S entsprechen:


F = P x A + (B -S)


Die Begründer der   Applanationstonometrie Goldmann und Schmidt konnten jedoch zeigen, dass bei   einer durchschnittlichen Hornhautdick (520 µm) und einer konstanten   Applantionsfläche von 7,35mm² (= Durchmesser 3,06 mm), Eigensteifigkeit/   Rigidität (B) und die Kapillarkraft (S) des Auges sich gegenseitig aufheben.


Aus diesem Grund wird   ein Doppelkopfprisma verwendet, dass die abgeflachte Fläche in zwei   Halbkreise teilt und die 3,06 mm verzerrt darstellt. Diese können nach Gabe   von fluoreszierenden, schmerzstillenden Augentropfen im blauen Licht   (Kobalt-Filter) als gelbliche Menisken dargestellt werden.

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Goldmann-Applanationstonometrie - Durchführung

  • Verabreichen von schmerzstillenden,   fluoreszierenden Augentropfen

  • Einsetzten   eines frischen Doppelprismas/ Tonometerköpfchens

  • (ggf.   Ausrichtung entsprechend des Astigmatismus)

  • Abflachen   der Hornhaut

  • Stellrad   anpassen bis sich die Innenseiten der Menisken berühren

  • Ablesen   des Augendrucks am Stellrad


Vor der Messung   erhalten die Patienten schmerzstillende Augentropfen, die einen Farbstoff   (Fluoreszin) beinhalten.


Anschließend wird der   Tonometerkopf so in der dafür vorgesehenen Halterung fixiert, dass die   Markierung im bei 0° liegt. Die Untersuchung erfolgt bei schräg einfallendem   Licht mit Kobaltblaufilter. Falls notwendig können die Augenlider,   beispielsweise mit einem Stiltupfer, leicht angehoben werden, ohne dass dabei   Druck auf den Augapfel ausgeübt wird.


Nun wird das   Tonometerköpfchen so lange langsam auf den Bulbus aufgesetzt abflacht bis das   Doppelprisma den Tränenfilm in 2 optische Halbkreise unterteilt. Während der   Untersucher durch die Okulare der Spaltlampe blickt, wird mithilfe eines   Stellrades am Tonometer, der generierte Druck so eingestellt, dass sich die   beiden Halbkreise genau an der Innenseite berühren. Der Wert am Stellrad   ergibt, multipliziert mit 10, den intraokularen Druck in mmHg.


Um eine falsch-hohe   Messung zu vermeiden, darf der Tonometerkopf nicht in Kontakt mit den Wimpern   oder Augenlidern kommen. Gleichzeitig muss darauf geachtet werden beim   Aufhalten der Augen nicht Druck auf den Bulbus auszuüben.

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Goldmann-Applanationstonometrie – Einflussfaktoren

Es gibt eine Vielzahl an Ursachen, die zu einer abweichenden Messung des   Augendrucks führen können. Im folgenden soll auf die wichtigsten kurz   eingegangen werden.


Hornhautdicke

Eine der wichtigsten Einflussgrößen   auf die gemessenen Augendruckwerte stellt die Hornhautdicke da. Die zentrale   Hornhautdicke beträgt im Durchschnitt 540 µm. Nach refraktiven Eingriffen   (z.B. Hornhautlaser) kann dieser jedoch deutlich dünner sein und die   Augendruckmessung somit zu deutlich zu niedrigen Werten führen. Aus diesem   Grund werden verschiedene Umrechnungstabellen (z.B. Umrechnungstabelle nach   Kohlhaas) verwendet.


Neben der   Hornhautdicke kann auch die Rigidität der Hornhaut einen Einfluss auf die   gemessenen Augendruckwerte haben.


Untersucherabhängige Unterschiede

Da dies Einheiten des   Stellrades in 2mmHg Schritten skaliert sind, bestehen individuelle   Unterschiede bei der Messung von 2-4 mmHg.


Fluorescein Menge

Auch die Menge der   verabreichten Fluoresceintropfen kann eine Auswirkung auf die gemessenen   Werte haben. Zu niedrige Mengen von   Fluoreszin können zu einer falsch niedrigen Messung um 2-4 mmHg führen.


Dezentrale Messung

Liegt der   Tonometerkopf nicht zentral, sondern dezentriert auf der Hornhaut auf, so   können leichte Messfehler entstehen. Der Patient muss daher während der   Untersuchung geradeaus blicken. Besteht zusätzlich ein Kontakt zu den   Augenlidern (z.B. bei enger Lidspalte) oder wirf versehentlich durch den   Augenarzt Druck auf das Auge ausgeübt, so kann dies zu falsch hohen Messungen   führen. Auch Kontakt zu einem   Mundschutz oder ein dichter Bart können gegen den Messstab des Tonometers   drücken und zu falschen Werten führen.


Wiederholte Messungen

Wiederholte   Augendruckmessung (innerhalb einiger Minuten) oder die Auflage eines   Tonometerköpfchens für über 30 Sekunden, können zu falschen Messungen führen.   Ein Abfall des Augendrucks um bis zu 2-4 mmHg kann durch wiederholte   Messungen verursacht werden.


Astigmatismus

Fraglich ist der   Einfluss eines kornealen Astigmatismus auf die Augendruckmessung. Bei einem   regulären Astigmatismus ist jedoch die   Form der abgeflachten Fläche kein Kreis sondern eine Ellipse und besitzt   somit keinen einheitlichen Durchmesser.

Um dem   entgegenzuwirken können beispielsweise zwei separate Messungen durchgeführt   werden (einmal bei 0 und einmal bei 90°) und anschließend ein   Durchschnittswert berechnet werden. Bei einem Astigmatismus von mehr als zwei   Dioptrien, wird oft empfohlen die Achse des Tonometerköpfchens an die Achse des   bestehenden Astigmatismus anzupassen.


Kalibrierungsfehler

Eine regelmäßige   Wartung und Kalibrierung der Tonometer ist essenziell um für genaue Messungen   zu garantieren. Es besteht eine Toleranz von 0.5 mmHg bei 20 mmHg.

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