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Akute anteriore Uveitis

Akute anteriore Uveitis

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ICD-10:   H20.0   Akute und subakute Iridozyklitis

Die akute anteriore Uveitis (AAU) ist eine Entzündung der Iris und des Ziliarkörpers und die häufigste Form der Uveitis. Sie betrifft vor allem Erwachsene im arbeitsfähigen Alter.


Die Erkrankung beginnt typischerweise plötzlich mit Augenschmerzen, Rötung und Lichtempfindlichkeit. Mit rechtzeitiger Behandlung heilt sie meist vollständig ab, Rückfälle sind häufig.

Die akute anteriore Uveitis (Iridozyklitis) ist eine Entzündung der Iris und des Ziliarkörpers und die häufigste Form der Uveitis. Sie äußert sich durch plötzlich auftretende Augenschmerzen, Rötung und Lichtempfindlichkeit.

Akute anteriore Uveitis

Akute anteriore Uveitis

Definition

Entzündung von Iris und Ziliarkörper

Ursachen

HLA-B27, Infektionen, autoimmun, idiopathisch

Symptome

Schmerz, Rötung, Lichtempfindlichkeit

Diagnostik

Spaltlampe, HLA-B27, Syphilis-Serologie

Therapie

Kortikosteroide, Mydriatika topisch

Prognose

Gut bei Therapie, Rezidive häufig

Komplikation

Synechien, Glaukom, Katarakt, CMÖ

Vorbeugung

Grunderkrankung behandeln

Akute anteriore Uveitis - Definition

Die akute anteriore Uveitis ist die häufigste Manifestationsform der Uveitis. Der Begriff "anteriore Uveitis" beschreibt eine Entzündung der vorderen Uvea, also der Iris und des Ziliarkörpers. Der Ziliarkörper produziert das Kammerwasser, das den vorderen Augenabschnitt füllt. Sind dabei nur Iris und Vorderkammer betroffen, spricht man von einer Iritis; reicht die Entzündung bis in den vorderen Glaskörper, nennt man sie Iridozyklitis.


Akut bedeutet, dass die Erkrankung plötzlich beginnt und zeitlich begrenzt ist. Wenn sich nach dem Absetzen der Therapie mindestens 3 Monate lang keine Entzündungszeichen zeigen, gilt die Episode als abgeschlossen. Treten die Beschwerden danach wieder auf, spricht man von einer rezidivierenden akuten Uveitis. Dies unterscheidet sie von der chronischen Verlaufsform, bei der die Entzündung beim Ausschleichen der Medikamente zurückkehrt.


iD01_InhaltHinweis

Akute anteriore Uveitis - Symptome

Die Beschwerden der akuten anterioren Uveitis entwickeln sich typischerweise rasch über wenige Tage. Folgende Symptome treten auf:


  • Augenschmerzen

  • Rötung (vor allem ziliare Injektion)

  • Lichtempfindlichkeit (Photophobie)

  • Sehverschlechterung

  • Tränenfluss, Lidschwellung und leichtes Ptosis


Bei der Spaltlampenuntersuchung lassen sich charakteristische Befunde erheben. Entscheidend fuer die Diagnose ist der Nachweis von Zellen in der Vorderkammer. Weitere Zeichen sind:


  • Flare (Tyndall-Effekt): Eintrubung des Kammerwassers durch Proteinaustritt

  • Keratische Präzipitate (KP): Ablagerungen auf der Hornhautruckflache

  • Hypopyon: Ansammlung von Leukozyten am Boden der Vorderkammer

  • Irisnoduli

  • Fibrin in der Vorderkammer

  • Pupillenmyose

  • Hintere Synechien: erste Anzeichen einer Irisverklebung mit der Linse

  • Bandkeratopathie bei chronischen Verlaufen


Alle Patienten mit akuter anteriorer Uveitis sollten initial durch Mydriasis des Pupille die Untersuchung des Augenhintergrundes ermöglicht werden, um eine Beteiligung des hinteren Augenabschnitts auszuschliessen.


iD01_InhaltHinweis

Unter Vergroesserung zeigen sich hintere Synechien sowie Zellen in der Vorderkammer und ein positiver Tyndall bei akuter anteriorer Uveitis.

Akute anteriore Uveitis - Ursachen & Risikofaktoren

Die akute anteriore Uveitis kann isoliert ohne Systemerkrankung auftreten oder Teil eines systemischen Entzundungsprozesses sein. Die häufigste Systemassoziation bei Erwachsenen in Mitteleuropa ist der HLA-B27-Genotyp, der mit den Spondyloarthritiden verknüpft ist:


  • Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew)

  • Psoriasisarthritis

  • Reaktive Arthritis (ehemals Reiter-Syndrom)

  • Enteropathische Arthritis bei chronisch-entzundlicher Darmerkrankung


Weitere systemische Ursachen umfassen die juvenile idiopathische Arthritis (JIA), die bei Kindern oft eine chronische, beidseitige und zunächst symptomlose anteriore Uveitis verursacht, sowie die Sarkoidose, die sich als granulomatose anteriore Uveitis manifestieren kann. Morbus Behcet kann mit einem Hypopyon einhergehen und tritt bevorzugt in endemischen Regionen auf. Infektiose Ursachen sind ebenfalls zu berücksichtigen:


  • Herpes-simplex-Virus (HSV)

  • Varizella-Zoster-Virus (VZV)

  • Zytomegalievirus (CMV)

  • Syphilis (imitiert jedes Uveitismuster)

  • Tuberkulose


Das Fuchs-Uveitis-Syndrom stellt eine Sonderform dar: eine chronische, auf das Auge beschrankte anteriore Uveitis mit stellaten keratischen Präzipitaten, fehlenden hinteren Synechien und Heterochromie. Die Pathophysiologie der AAU ist nicht vollständig geklärt. Die führende Theorie postuliert molekulares Mimikry: Bei genetisch pradisponierten Personen löst ein Infektionserreger eine Kreuzreaktivität mit okulärenspezifischen Antigenen aus, was zur Entzundung fuhrt.


iD01_InhaltHinweis

Akute anteriore Uveitis - Diagnostik

Die Diagnose stützt sich auf eine sorgfältige klinische Charakterisierung, die Beginn, Verlauf, Seitigkeit und Befunde der Spaltlampe beruecksichtigt. Die Spaltlampe ist das zentrale Diagnosewerkzeug. Da Entzundungen im hinteren Augenabschnitt das klinische Bild wesentlich verändern, gehört die Fundusuntersuchung nach Mydriasis zur Basisdiagnostik jeder akuten anterioren Uveitis.


Das Basis-Laborprogramm umfasst:


  • Syphilis-Serologie bei allen Patienten, da Syphilis jedes Uveitismuster imitieren kann

  • HLA-B27-Typisierung, besonders bei rezidivierender akuter anteriorer Uveitis

  • Rö ntgen-Thorax bei bilateraler granulomatöser Entzündung zum Ausschluss einer Sarkoidose

  • Kammerwasser-PCR bei Verdacht auf herpetische Genese (HSV, VZV, CMV), besonders bei hypertensiver anteriorer Uveitis

  • Lyme-Serologie nur in Endemiegebieten oder bei konkretem Expositionsrisiko


Der Nutzen von Angiotensin-konvertierendem Enzym (ACE) und Lysozym bei der Sarkoidose-Diagnostik ist unter Uveitisspezialisten umstritten. Von einer ungezielten Uveitis-Labordiagnostik ohne klinische Verdachtsdiagnose wird ausdrücklich abgeraten, da sie einen niedrigen prädiktiven Wert hat und das Management selten beeinflusst.


iD01_InhaltHinweis

Spaltlampenfoto mit Fibrin und Tyndall-Effekt bei akuter anteriorer Uveitis.

Akute anteriore Uveitis - Therapie

Die Behandlung der akuten anterioren Uveitis erfolgt in erster Linie topisch. Zwei Wirkstoffklassen stehen im Zentrum:


  • Kortikosteroidentropfen (Prednisolon-Acetat 1% oder Difluprednate 0,05%): reduzieren die Entzündungsreaktion in der Vorderkammer

  • Mydriatika (Cyclopentolat): erweitern die Pupille, lindern den Schmerz und verhindern die Bildung von Synechien zwischen Iris und Linse


Die Dosierungshäufigkeit richtet sich nach der Entzundungsintensität. Bei infektiöser Ursache, beispielsweise einem herpetischen Auslöser, ist zusätzlich eine spezifische antiinfektive Therapie (Antivirale Medikamente) notwendig.


Besonders schwere Verlaufe können eine periokulare Injektion von Kortikosteroiden oder die systemische Gabe von Prednison erforderlich machen. Bei chronischer oder rezidivierender, visusgefährdender Entzündung trotz topischer Therapie kann eine systemische Immunsuppression indiziert sein. Solche Falle erfordern oft die Zusammenarbeit mit einem Rheumatologen oder Uveitisspezialisten.


Eine spezifische operative Behandlung der akuten anterioren Uveitis existiert nicht. Intraokuläre Eingriffe sind ausschliesslich zur Behandlung von Komplikationen vorbehalten und sollten erst nach mindestens 3 Monaten vollständiger Entzundungsfreiheit durchgeführt werden.


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Akute anteriore Uveitis - Prognose

Die Prognose ist bei rechtzeitiger und konsequenter Behandlung gut. Manche Verlaufsformen neigen jedoch zu Rückfällen. Eine frühzeitige Therapie bei jedem Rezidiv kann die Dauer des Schubes verkürzen und die Gesamtprognose verbessern. Die Behandlung sollte immer durch einen Augenarzt eingeleitet werden, der die Diagnose klinisch bestätigt hat.


Folgende Komplikationen können auftreten und beeinflussen die Wahl der Behandlung:


  • Hintere Synechien: Verklebung von Iris und Linse, kann zu Pupillenverformung und Sekundärglaukom führen

  • Bandkeratopathie: Kalkablagerungen in der Hornhaut

  • Erhöhter Augeninnendruck und Glaukom

  • Zystoides Makulaödem (CMÖ): Flüssigkeitsansammlung in der Makula

  • Katarakt: durch chronische Entzündung oder Langzeitanwendung von Kortikosteroiden


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Hintere Synechien (Verklebung von Iris und Linse) als Komplikation einer Uveitis anterior.

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