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Image by Giammarco Boscaro

Glaukom

Grüner Star (Glaukom)

Autor:

ICD-10:   H40-H42   Glaukom

Unter dem Begriff Grüner Star oder Glaukom werden verschiedene Krankheiten des Auges   zusammengefasst, bei denen es zu einer Schädigung des Sehnervs unter Netzhaut   kommt.


Da sich die   verschiedenen Glaukomformen zum Teil beträchtlich in ihrer Ätiologie,   Diagnose und Therapie unterscheiden, ist eine individuelle Betrachtung   notwendig. Dieser Artikel soll jedoch einen groben Überblick geben.

Das Wichtigste auf einen Blick

Das Wichtigste auf einen Blick

Ursachen

irreversible Schädigung des Sehnerven (z.B. aufgrund von erhöhtem Augendruck)

Symptome

Lange Zeit symptomlos, Augenschmerzen, Kopfschmerzen, plötzliche Sehstörungen, Übelkeit

Diagnostik

Spaltlampenuntersuchung, Tonometrie, Gesichtsfeld, Pachymetrie

Therapie

Medikamente, Drucksenkende Operation

Prognose

Unbehandelt kann ein Grüner Star zur Erblindung führen

Glaukom - Definition

Als grüner Star oder auch   Glaukom wird eine Gruppe von Krankheiten bezeichnet, bei der es zu einer   Schädigung des Sehnervens   (N. opticus) kommt. Genauer gesagt, kommt es zu einem Verlust der retinalen   Ganglienzellen der Netzhaut, einer Ausdünnung retinaler Nervenfasern und zu   einer Exkavation (Aushöhlung, Ausbuchtung) des Sehnervenkopfs.


Der Name ist einerseits auf das grünliche Schimmern der Iris und   andererseits auf den starren Blick der Patienten, bei denen es zu einer   Erblindung gekommen ist, zurückzuführen.

Hinweis:   Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass ein Glaukom mit einem erhöhten Augeninnendruck gleichzusetzen ist. So können beispielsweise auch Menschen mit einem normalen Augeninnendruck an einem Glaukom erkranken.

Glaukom - Symptome

Die Beschwerden, die infolge eines grünen Stars auftreten können, unterscheiden sich bei Patienten   mit einem lange bestehenden (chronischen) Glaukom, von denen mit einem akuten   Glaukomanfall.


Akuter Glaukomanfall

Infolge des   plötzlichen Augen-Druckanstieges (Glaukomanfall) können innerhalb weniger Stunden   folgende Beschwerden auftreten:

  • Starke   Augenschmerzen.

  • Kopfschmerzen

  • Übelkeit   oder Erbrechen

  • Rötung   der Augen

  • Halos   um Lichtquellen

  • Seeverschlechterung

  • Lichtstarre   Pupillen


Achtung! Bei einem Glaukomanfall handelt es sich um einen   medizinischen Notfall, da dieser im schlimmsten Fall zu einer dauerhaften   Erblindung führen kann. Aus diesem Grund ist eine umgehende Senkung des   Augendrucks einer der wichtigsten Therapiemaßnahen und kann oft schon durch   den Hausarzt oder Augenarzt eingeleitet werden.


Chronisches Glaukom

Bei einem chronischen   Glaukom kommt es oft nur zu einer langsamen Sehverschlechterung, die oft von   den Betroffenen über einen langen Zeitraum nicht wahrgenommen wird. Erst mit   Voranschreiten der Erkrankung. Kommt es zu zunehmenden Gesichtsausfällen   (Skotome).


Dabei kommt es oft zu   einer Einengung des Gesichtsfeldes, die bogenförmig in den Randbereichen des Gesichtsfelds beginnt und vom   blinden Fleck ausgeht (Bjerrum-Skotom). Da die Gesichtsfeldeinschränkungen   von außen nach innen langsam fortschreiten, bemerken die Betroffenen einen   zunehmenden Tunnelblick. Dabei können Gegenstände im Zentrum noch   wahrgenommen werden, während Objekte in der Peripherie des Gesichtsfeldes   zunehmend schlechter erkannt werden können. Mit Voranschreiten des Grünen   Stars kann es auch zu zentralen Ausfällen kommen.


Weitere Symptome eines   grünen Stars sind Rötung der Augen, Kopfschmerzen, Augenschmerzen und das   Auftreten von. Ringen (Halos) um Lichtquellen.

Hinweis:   Wenn es bereits zu wahrnehmbaren Sehstörungen im Rahmen eines Glaukoms gekommen ist, liegt oft bereits eine ausgeprägte Schädigung der Netzhaut oder der Sehnerven vor. Oft sind die bereits entstandenen Schäden irreversibel und können nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Glaukom - Diagnostik

Spaltlampenuntersuchung

Im Rahmen der   Spaltlampenuntersuchung durch einen Augenarzt wird zunächst der vordere   Augenabschnitt untersucht. Hierbei kann der Augenarzt die einzelnen   Abschnitte des Auges (Hornhaut, vordere Kammer, Kammerwinkel) beurteilen.   Besteht der Verdacht auf das Vorliegen eines Glaukoms, so wird insbesondere   auf den Kammerwinkel, die Tiefe der Vorderkammer so wie Veränderungen der   Iris geachtet.


Augendruckmessung (Tonometrie)

Mithilfe eines   Tonometers ist es möglich, den Augeninnendruck zu bestimmen. Hierfür gibt es   unterschiedliche Messmethoden (Goldmann-Applanationstonometer, Non-Contact   Tonometer, Rebound Tonometer, etc.). Die Einheit für den Augeninnendruck ist   Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). In der Regel beträgt der Augendruck zwischen   10 und 21 mmHg. Allerdings können die Werte im Tagesverlauf um etwa 5 mmHg   schwanken. Morgens sind die Augendruckwerte am niedrigsten.


Kammerwinkel Inspektion (Gonioskopie)

Besteht der Verdacht   auf ein Glaukom so kann durch eine Gonioskopie der Kammerwinkel untersucht   werden. Hierfür wird eine spezielle Linse auf das betäubte Auge aufgesetzt.   Hiermit kann beurteilt werden, ob der Kammerwinkel offen oder geschlossen ist   und auch mögliche Abflussblockaden (Verwachsungen, Verfärbungen, etc.) können   identifiziert werden.


Gesichtsfeldbestimmung (Perimetrie)

Eine weitere wichtige   Untersuchungsmethode ist die Gesichtsfeldmessung (Perimetrie). Mit ihrer   Hilfe können bereits frühzeitig Schäden der Netzhaut oder Nervenfasern   festgestellt werden. Die Gesichtsfeldmessung erfolgt Für jedes Auge einzeln.   Der Patient wird dazu aufgefordert, den Blick gerade aus auf eine Markierung   zu richten. Nun muss er jedes Mal, wenn er einen Lichtblitz aus den   Augenwinkeln wahrnimmt dies per Knopfdruck bestätigen.

iD01_InhaltHinweis

Glaukom - Einteilung

Grundsätzlich können zwei Arten des Glaukoms unterschieden werden:

  • Primäres Glaukom - tritt eigenständig auf und   ist nicht Folge einer anderen Augenerkrankung

  • Sekundäres Glaukom - tritt als Folge einer   Augenerkrankung, unerwünschten Nebenwirkung oder verletzungsbedingt auf.


Demnach kann man den   Grünen Star in folgende Formen unterteilen:


Primäre Glaukome

  • Primär   chronisches Offenwinkelglaukom

  • Primär   akutes Winkelblockglaukom


Sekundäre Glaukome

  • Sekundäres   Offenwinkelglaukom

  • Pseudoexfoliatives   Glaukom

  • Sekundäres   Winkelblockglaukom


Eine besondere Form   stellt das bei Geburt bestehende kongenitale Glaukom dar.


Primäres Glaukom

Ein primäres Glaukom   tritt eigenständig und nicht als Folge einer anderen Augenerkrankung auf.


Primäres (chronisches) Offenwinkelglaukom (POWG)

Das primäre   Offenwinkelglaukom (POWG) oder auch chronisches Glaukom ist die häufigste   Form des Glaukoms. Es ist oft mit einem Augendruck > 21 mmHg, einer   glaukomatösen Schädigung der Papille sowie Gesichtsfelddefekten bei offenem   Kammerwinkel assoziiert.


Primäres (akutes)   Winkelblockglaukom

Bei einem „primären   Winkelblockglaukom“ kommt es zu einem Verschluss des Trabekelwerks und in   weiterer Folge zu einer Behinderung des Kammerwasserabflusses. Infolge der   Abflussbehinderung steigt der Augeninnendruck stark an.


Früher erfolgte eine   Unterteilung in akut, subakut oder chronisch. Mittlerweile erfolgt die   Einteilung jedoch oft entsprechend dem Verlauf (Verdacht auf primären   Winkelblock -> Winkelblock -> Winkelblockglaukom). Das plötzliche   Auftreten eines Winkelblockglaukoms (= „akuter Glaukomanfall“) ist ein   ophthalmologischer Notfall und muss unmittelbar medizinisch versorgt werden.


Sekundäres Glaukom

Ein sekundäres Glaukom   entwickelt sich aufgrund anderer Augenerkrankungen (z.B. Entzündungen,   Tumore, Blutungen, etc.). Die Therapie sekundärer Glaukome ist häufig weniger   erfolgreich als die der primären Glaukome.


Sekundäres   Offenwinkelglaukom

Kommt   es bei offenem Kammerwinkel, beispielsweise durch Erythrozyten, Pigment-,   oder Entzündungszellen zu einer Verlegung des Trabekelwerks, führt dies   ebenfalls zu einer Abflussbehinderung.


Sekundäres   Winkelblockglaukom

In einem sekundären   Winkelblockglaukom spricht man, wenn es infolge einer Verlegung des   Trabekelwerks zu einer Abflussbehinderung des Kammerwassers kommt.

iD01_InhaltHinweis

Glaukom - Therapie

Die Behandlung des   Glaukoms ist in erster Linie abhängig von der Form des Glaukoms. Je nach   Ursache können unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zielführend sein.   Oftmals kann eine augendrucksenkende Therapie mit Hilfe von Medikamenten oder   einem operativen Eingriff das Voranschreiten des Glaukoms verhindern oder   zumindest verlangsamen.


Liegt ein sekundäres   Glaukom vor, sollte nach Möglichkeit die Ursache (z.B. Diabetes mellitus)   behandelt werden.


Medikamentöse Therapie

Viele Formen des   grünen Stars können im Rahmen der Ersttherapie mit Medikamenten behandelt   werden. Liegt ein dauerhaft erhöhter Augendruck vor, so kann eine Senkung mit   Hilfe von speziellen Augentropfen erreicht werden. Diese Tropfen enthalten   Wirkstoffe, die zu einer Reduktion der Kamerwasserproduktion führen oder den   Abfluss des Kammerwassers erhöhen.


Prinzipiell wird   zunächst immer mit einer lokalen Monotherapie begonnen. Nur wenn diese nicht   eine ausreichende Drucksenkung erreicht, wird eine andere Monotherapie oder   eine Kombinationstherapie notwendig. Außerdem ist zu beachten, dass es einige   Zeit dauert, bis die medikamentöse Therapie ihre volle Wirkung entfaltet.   Daher sollte von der schnellen Therapiewechseln innerhalb der ersten Wochen   abgesehen werden.


Prostaglandin   Antagonisten

Prostaglandine   steigern den uveoskleralen Abfluss und somit Abfluss des Kammerwassers. Sie   können bei allen Formen des Glaukoms verwendet werden.


Betablocker

Betablocker werden bei   erhöhtem Blutdruck oder diversen Herzerkrankungen verordnet. Als Augentropfen   werden Sie bei allen Glaukomformen angewandt und führen zu einer Reduktion   der Kammerwasserproduktion.


Karboanhydrasehemmer

Auch   Karboanhydrasehemer reduzieren die Produktion des Kammerwassers und werden   bei allen Formen des Glaukoms verwendet. Sie können nicht nur als   Augentropfen angewendet werden, sondern bei akuten Glaukomanfällen auch   intravenös gespritzt werden.


Sympathomimetika

Auch Sympathomimetika   führen zu einer Reduktion der Kammerwasserproduktion. Sie werden   hauptsächlich zur Behandlung von primären Offenwinkelglaukomen angewendet und   ihre genaue Wirkweise ist noch nicht vollständig geklärt.


Alpha-2-Agonisten

Alpha-2-Agonisten   werden bei allen Glaukomformen angewendet und führen sowohl durch eine   reduzierte Kammerwasserproduktion (verminderte Ultrafiltration durch   Ziliargefäß-Konstriktion) als auch durch eine Steigerung des   Kammerwasser-Abfluss zu einer Reduktion des Augeninnendrucks.


Cholinergika

Cholinergika werden   hauptsächlich bei primären Offenwinkelglaukomen und primären   Engwinkelglaukomen verwendet. Durch die Kontraktion des Ziliarkörpers führen   Sie zu einer Aufweitung des Kammerwinkels durch Zug am Sklerasporn.   Allerdings können Sie nicht bei einem malignem Glaukom, einer Uveitis   anterior oder einer bestehenden Rubeosis iridis angewendet werden.


Operative Therapie

Kann der   Augeninnendruck mithilfe lokaler Medikamente nicht ausreichend gesenkt   werden, so kann eine operative Behandlung erforderlich werden. Es stehen   folgende Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung:


Trabekulotomie/ Trabekelektomie

Bei diesen   Operationsmethoden wird ein künstliches Drainagesystem implantiert, welches   Kammerwasser aus der Vorderkammer unter die Bindehaut ableitet. Dort kann es   über die venösen Gefäße abtransportiert werden. Die Operation kann in   örtlicher Betäubung oder in allgemeiner Anästhesie erfolgen und dauert in der   Regel 30-60 Minuten.


Iridektomie/ Laser-Iridotomie

Hierbei wird die   Regenbogenhaut (Iris) durch einen kleinen Schnitt mithilfe eines Lasers oder   eines Skalpells eröffnet. Durch das Loch kann Kammerwasser aus der hinteren   Augenkammer in die Vorderkammer gelangen und dort über den Kammerwinkel   abfließen. Der Eingriff kann meist in lokaler Betäubung durchgeführt werden und   wird vor allem bei Engwinkelglaukom oder der Gefahr eines Winkelblocks   (Glaukomanfall) angewendet?


Laser-Trabekuloplastik

Durch eine   Laserbestrahlung (SLT Laser) kann das Gewebe im Kammerwinkel (Trabekelwerk)   zerstört werden und der Abfluss des Kammerwassers verbessert werden.   Insbesondere bei Offenwinkelglaukomen findet dieses Verfahren Anwendung und   kann den Augendruck und bis zu 8 mmHg reduzieren. Der Eingriff findet in der   Regel in lokaler Betäubung statt und der Patient kann unmittelbar nach der   Laserbehandlung entlassen werden.


Zyklophotokoagulation/ -kryokoagulation

Eine Zyklokoagulation   stellt oft das letzte Mittel der Wahl dar und wird vor allem zur Behandlung   bei sekundärem Glaukom oder Versagen andere operativer Therapiemethoden   verwendet. Hierbei wird mit Hilfe eines Lasers (Photokoagulation) oder durch   Vereisung (Kryokoagulation) der Ziliarkörper zerstört. Dadurch kann dieser   keine Kammerwasser bilden und der Augendruck sinkt.

Hinweis:   Ein wichtiger Aspekt in der Therapie des Glaukoms, sind die regelmäßigen Kontrollen durch einen Augenarzt sowie die Einhaltung der empfohlenen Therapiemaßnahmen.

Glaukom - Prognose

Ohne Behandlung führt ein Glaukom zur Erblindung, weil die Sehzellen und   der Sehnerv immer weiter geschädigt werden. Je länger das Glaukom besteht,   umso schneller beschleunigt sich der Krankheitsverlauf. Die Schäden, welche entstehen, sind oft   irreversibel. Mit der rechtzeitigen Diagnosestellung, geeigneten Medikamenten   oder operativen Eingriffen lassen sich Glaukome aber meistens stoppen und das   Sehvermögen bleibt erhalten. Daher müssen Patienten, die eine Glaukomtherapie   erhalten, sich strikt an die Therapievorschläge halten und dürfen die   Therapie auf keinen Fall selbstständig beenden oder pausieren.

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Glaukom - Prognose

Ohne Behandlung führt ein Glaukom zur Erblindung, weil die Sehzellen und   der Sehnerv immer weiter geschädigt werden. Je länger das Glaukom besteht,   umso schneller beschleunigt sich der Krankheitsverlauf. Die Schäden, welche entstehen, sind oft   irreversibel. Mit der rechtzeitigen Diagnosestellung, geeigneten Medikamenten   oder operativen Eingriffen lassen sich Glaukome aber meistens stoppen und das   Sehvermögen bleibt erhalten. Daher müssen Patienten, die eine Glaukomtherapie   erhalten, sich strikt an die Therapievorschläge halten und dürfen die   Therapie auf keinen Fall selbstständig beenden oder pausieren.

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