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Image by Giammarco Boscaro

Zentralvenenverschluss

Zentralvenenverschluss

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ICD-10:   H34.8   Sonstiger Netzhautgefäßverschluss - Venöser retinaler Gefäßverschluss: zentral

Ein zentraler Venenverschluss entsteht durch die Blockade der retinalen Zentralvene durch einen Thrombus. Er tritt in der Regel plötzlich auf und führt zu einer schmerzlosen Sehverschlechterung, die meist als verschwommenes oder getrübtes Sehen im gesamten Sichtfeld wahrgenommen wird.


Im Rahmen der Kontrolle durch einen Augenarzt kann ein Zentralvenenverschluss per Blickdiagnose festgestellt werden. Je nach Ausprägung kann eine Therapie mit intraokulären Injektionen (Anti-VEGF, Kortison, etc.) oder eine Laserkoagulation notwendig sein.

Das Wichtigste auf einen Blick

Das Wichtigste auf einen Blick

Definition

Verschluss der retinalen Zentralvene durch einen Thrombus.

Ursachen

Thrombus

Symptome

Sehverschlechterung, Trübung, Schleiersehen, schmerzlos

Diagnostik

Spaltlampenuntersuchung, FAG, internistische Abklärung

Therapie

Anti-VEGF Therapie, Cortisioninjektionen, Laserkoagulation

Prognose

Oft andauernde Sehverschlechterung, gelegentlich spontane Regredienz

Vorbeugung

Therapieadhärenz bei Grunderkrankungen

Zentralvenenverschluss - Definition

Als Zentralvenenverschluss wir ein Verschluss der Vena centralis retinae bezeichnet. Diese ist das Hauptblutgefäß der Netzhaut und das einzige abführende Gefäß aus dem Auge.


Bei einem Astvenenverschluss wird hingegen nur ein Ast der zentralen Netzhautvene verschlossen.


Man unterscheidet zwei Arten:

  • Nicht-Ischämischer Zentralvenenverschluss

  • Ischämische Zentralvenenverschluss

iD01_InhaltHinweis

Augenhintergrund mit typischen Streif und Fleckblutungen bei Zentralvenenverschluss (Zentralvenenthrombose)

Zentralvenenverschluss - Symptome

Ein zentraler Venenverschluss äußert sich meist durch eine plötzlich eintretende, aber schmerzlose Sehverschlechterung. Fast immer betrifft die Sehverschlechterung nur ein Auge. Im Unterschied zu einem Arterienverschluss, handelt es sich nicht um einen vollständigen Sehverlust, sondern oft wird die Sehverschlechterung als „Trübung“ oder „Verschwommenes Bild“ wahrgenommen.

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Zentralvenenverschluss – Ursachen & Risikofaktoren

Auslöser für eine Zentralvenenthrombose ist ein Thrombus (Ablagerungen auf der Gefäßinnenseite, welche das Gefäß verstopfen). Wird ein Thrombus von einer anderen Stelle eingespült, so bezeichnet man dies als Embolie.


Der häufigste Ort für einen Thrombus ist dabei die Lamina cribrosa, welche eine Engstelle am Austrittspunkt des Sehnerven darstellt. 


Risikofaktoren und Auslöser

  • Alter

  • Arterielle Hypertonie

  • Hyperlipidämie

  • Diabetes mellitus

  • Erhöhte Blutviskosität

  • Glaukom

  • Kontrazeptiva

  • Nikotin

  • Retinale Vaskulitis

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Zentralvenenverschluss - Diagnostik

Besteht aufgrund der geschilderten Symptome der Verdacht auf einen Zentralvenenthrombose, muss eine Kontrolle durch einen Augenarzt erfolgen.  Nur durch die Kontrolle von einem Augenarzt können andere Ursachen ausgeschlossen und eine eindeutige Diagnose gestellt werden. 


Pupillendiagnostik

Im Rahmen der Pupillendiagnostik kann sich bei nicht-ischämischem Zentralvenenverschluss eine milde relativ afferente Pupillenstörung (RAPD)zeigen. Ein ischämischer Verschluss der Zentralvenen geht jedoch oft mit einer RAPD einher.


Spaltlampenuntersuchung

Initiale Veränderungen

Es zeigen sich ausgeprägte venöse Gefäßschlängelungen (Tortuositas vasorum) und Kaliberschwankungen/verdickungen. Außerdem bestehen typischer Weise flammenförmige Blutungen oder Punkt und Fleckblutungen über den gesamten Augenhintergrund verteilt. 


Gelegentlich besteht auch eine Papillenschwellung oder es zeigen sich cotton wool spots.


Veränderungen im weiteren Verlauf

Meist bilden sich die initialen Blutungen zurück. Es können weißliche Gefäßveränderungen (ghost vessels) auftreten, Kollateralgefäße am Rand von Ischämiezonen entstehen ode Proliferationen am Sehnerven entstehen. In Folge eines Makulaödems können sich harte Exsudate ausbilden.


Internistische Abklärung

Bei Vorliegen einer Zentralvenenthrombose sollte immer eine internistische Durchuntersuchung erfolgen.


Im Rahmen der Abklärung werden folgende Risikofaktoren abgeklärt:

  • Blutdruck

  • Blutbefund (inkl Senkung, Blutbild, Blutfette)

  • EKG

  • Blut-Befund

  • Karotis Doppler-Ultraschall


Zusätzliche Untersuchungen bei jungen Patienten oder Patienten mit beidseitiger Zentralvenenthrombose


  • Thoraxröntgen (Sarkoidose ,Tuberkulose, Linksherzhypertrophie)

  • Carotis-Dopller Ultraschall

  • Thrombophilie-Screening

  • Autoantikörper (Rheumafaktoren, ANA, ANCA, ant-DNA Antikörper)

  • ACE

  • CRP

  • Treponema Serologie

  • Homocystein


Optische Kohärenztomographie (OCT)

Im OCT zeigt sich meist ein zystoides Makulaödem sowie eine Netzhautverdickung. Die Ausbreitung lässt sich sehr gut quantifizieren. Bei länger bestehenden Ödemen können sich harte Exsudate im Randbereich des Ödems zeigen.


Fluoreszenzangiographie (FAG)

In der Fluoreszenzangiographie kann die Ausdehnung des Gefäßverschlusses genauer beurteilt werden. Typischerweise zeigt sich ein verspätete oder inkomplette venöse Füllphase sowie perivaskuläre Hypofluoreszenzen. Diese werden durch die Blutungen oder ein bestehendes Makulaödem verursacht.  Auch Leckagen oder Staining ist oft ersichtlich.


Bei ischämischen Verschlüssen können zusätzlich Ischämieareale, Kollateralgefäße im Randbereich der Ischämie sowie unter Umständen auch Neovaskularisationen (bei 5% der Betroffenen) gefunden werden.

Hinweis:   Bei Vorliegen einer RAPD und einem Visus <0,1 besteht ein erhöhter Verdacht auf einen Ischämischen Venenverschluss und somit eine reduzierte Visus-Prognose

Zystoides Makulaödem bei Zentralvenenverschluss in der optischen Kohärenztomographie (OCT)

Zentralvenenverschluss - Therapie

Die notwendigen Behandlungsmaßnahmen hängen in erster Linie von dem Ausmaß des zentralen Venenverschlusses ab. 


Observanz

Bei einer guten Sehkraft und fehlenden weiteren okulären Veränderungen kann keine weitere ophthalmologische Therapie notwendig sein.


Behandlung von Grunderkrankungen

Eine adäquate Therapie von bestehenden Grunderkrankungen (Bluthochdruck, Hyperlipidämie) ist essentiell, um das Risiko für weitere Gefäßverschlüsse zu  minimieren.

 

Anti-VEGF

Kommt es in Folge eines Zentralvenenverschlusses zu einem Makulaödem so kann dieses mit intravitrealen Injektion (=“Spritzen ins Auge“) behandelt werden. Oftmals kann eine wiederholte Therapie über mehrere Monate notwendig sein.


Dexamethason

In Abwängung des Nutzen-Risikoprofils kann alternativ oder zusätzlich zu Anti-VEGF Therapie auch eine Behandlung mit okulären Dexamethason-Injektionen begonnen werden.


Argon Laser Koagulation

Bestehen Neovaskularisationen im Bereich der Papille oder Peripherie kann eine sektorielle Laserbehandlung notwendig sein. Bei Neovaskularisationen im Bereich der Papille ist meist eine Panretinale Photokoagulation notwendig.

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Zentralvenenverschluss - Prognose

Die Prognose bei einem Zentralvenenverschluss hängt stark vom erstmaligen Auftreten ab. Oftmals verbessert sich das Sehen unter Therapie über Monate bis Jahre, manchmal bleiben jedoch starke Sehbeeinträchtigungen mit einem niedrigen Visus bestehen. 


Zusätzlich besteht das Risiko für das Entstehen einer Augendruckerhöhung in Folge von Gefäßneubildungen auf der Iris (Neovaskularisationsglaukom). Das Einhalten der regelmäßigen Kontrollen beim Augenarzt ist daher unerlässlich.

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