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Zentralarterienverschluss

Zentralarterienverschluss

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ICD-10:   H34.1   Verschluss der A. centralis retinae

Eine plötzlich eingetretene, schmerzlose, einseitige Erblindung oder Sehverschlechterung die durch einen Verschluss der Hauptarterie eines Auges ausgelöst wird, bezeichnet man als Zentralarterienverschluss. 


Es handelt sich hierbei um einen ophthalmologischen Notfall, der umgehend durch einen Augenarzt und in weiterer Folge durch eine Neurologie/ Interne abgeklärt werden muss.

Das Wichtigste auf einen Blick

Das Wichtigste auf einen Blick

Definition

Verschluss der Arteria centralis retinae

Ursachen

Thrombus, Embolie

Symptome

Plötzlicher, einseitiger, schmerzloser Sehverlust

Diagnostik

Spaltlampenuntersuchung, Doppler-Sonographie (Karotiden), Interne Abklärung, CT, MRT, OCT, FAG

Therapie

Thrombolyse, Bulbusmassage, Augendrucksenkende Maßnahmen (z.B. Parazentese),

Prognose

Dauerhafte hochgradige Sehverschlechterung

Zentralarterienverschluss - Definition

Als Zentralarterienverschluss bezeichnet man in der Augenheilkunde einen Verschluss der Arteria centralis retinae. Diese ist das Hauptblutgefäß der Netzhaut.


Bei einem Astarterienverschluss wird hingegen nur ein Ast der zentralen Netzhautarterie verschlossen.

iD01_InhaltHinweis

Augenhintergrund mit typischen "kirschrotem Fleck" bei Zentralarterienverschluss (ZAV)

Zentralarterienverschluss - Symptome

Die Betroffenen bemerken oft einen plötzlich aufgetretenen, schmerzlosen Sehverlust oder zumindest eine deutliche Sehverschlechterung.

iD01_InhaltHinweis

Zentralarterienverschluss – Ursachen & Risikofaktoren

Ein retinaler Arterienverschluss wird meist durch eine Embolie oder eine Thrombose verursacht. 


Bei einem Thrombus zu einem Gefäßverschluss an der Entstehungsstelle des Thrombus. Im Unterschied dazu wird bei einer Embolie ein Thrombus weitergespült und verstopft ein Gefäß an einer anderen Stelle im Körper.


In seltenen Fällen kann auch eine entzündliche Veränderung der Gefäße einen Gefäßverschluss verursachen.


Häufige Risikofaktoren

  • Carotisstenose

  • Vorhofflimmern

  • Herzklappenerkrankungen


Seltene Risikofaktoren

  • Vaskulitiden (z.B. Riesenzellarteriitis)

  • Sichelzellanämie

  • Carotisdissektion

  • Hyperkoagulabilität

  • Iatrogene Ursachen

iD01_InhaltHinweis

Zentralarterienverschluss - Diagnostik

Bereits anhand der Anamnese kann der Verdacht auf einen Zentralarterienverschluss gestellt werden. Allerdings gibt es andere Augenkrankheiten, die ähnliche Beschwerden verursachen. Eine eindeutige Diagnose kann daher nur durch die Kontrolle von einem Augenarzt gestellt werden. 


Pupillendiagnostik

Im Rahmen der Pupillendiagnostik zeigt sich oft eine relativ afferente Pupillenstörung.


Spaltlampenuntersuchung

Meist können bereits im Rahmen der Spaltlampenuntersuchung typische Veränderungen im Bereich der Netzhaut festgestellt werden. Aufgrund des Ödems kommt es im Bereich der gesamten Netzhaut zu einer grau-weißen Verfärbung der Nervenfaserschicht. Nur im Bereich der Fovea  besteht ein kirschroter Fleck, dieser entsteht jedoch erst innerhalb einiger Tage. Außerdem ist eine Gefäßverengung erkennbar, gelegentlich können auch kleinere Blutungen auftreten.


Akute interdisziplinäre Abklärung (Neurologie/ Interne)

Ein Zentralarterienverschluss stellt einen Notfall dar. Wird er frühzeitig erkannt (innerhalb der ersten 4 - 6 Stunden) so kann, nach Ausschluss von Kontraindikationen, eine Lyse Therapie begonnen werden. In fast allen Fällen (95%) ist in weiterer Folge eine Therapieumstellung notwendig. 


Im Rahmen der Abklärung werden folgende Risikofaktoren abgeklärt:

  • Nikotinkonsum

  • Herzfrequenz

  • Blutdruck

  • Herztöne

  • EKG

  • Blut-Befund (Ausschluss einer Riesenzellarteritis, Blutzucker, Blutette, Elektrolyte, Blutgerinnung)

  • Karotis Doppler-Ultraschall


Zusätzliche Untersuchungen, die im Rahmen der Interdisziplin folgen, sind beispielsweise: 


  • Bildgebung (MRT/ CT)

  • 24h EKG

  • Echokardiographie

  • Thoraxröntgen

  • Blut-Befund (Thrombophilie, Multiples Myelom, Schilddrüsenparameter, Rheumafaktoren, Syphilis, Blutkulturen)


Optische Kohärenztomographie (OCT)

Bei einem frischen Zentralarterienverschluss zeigt sich in der optischen Kohärenztomographie eine deutliche Netzhautschwellung. Innerhalb von Wochen bis Monaten kommt es in weiterer Folge zu einer Atrophie der Netzhaut. Auch diese lässt sich mithilfe einer optischen Kohärenztomographie nachweisen.


Fluoreszenzangiographie (FAG)

Im weiteren Verlauf kann eine Fluoreszenzangiographie durchgeführt werden. Diese kann dabei helfen das Ausmaß des Arterienverschlusses genauer zu beurteilen und Ischämie frühzeitig zu entdecken.

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Zentralarterienverschluss - Therapie

Da ein zentraler Arterienverschluss zu einem irreversiblen Sehverlust führen kann, hat eine zeitnahe Wiederherstellung der Durchblutung Priorität.


Akutmaßnahmen durch den Augenarzt

Parazentese

Mithilf eines kleinen Entlastungs-Schnitts in der Vorderkammer wird versucht eine Druckentlastung zu erzielen und für eine bessere Durchblutung zu sorgen.


Bulbusmassage

Eine Bulbusmassage unter Verwendung eines 3-Spiegel-Kontaktglases ist eine Therapiemöglichkeit. Hierbei wird versucht durch Druck und anschließendes plötzliches Lösen des Kontaktglases den Embolus oder Thrombus zu lösen. Durch die Verwendung eines Kontaktglases ist ein gleichzeitiger Einblick in den Fundus möglich.


Drucksenkende Therapie

Mithilfe von Betablockern, Carboanhydrasehemmern oder Sympathomimetika wird eine Augendrucksenkung durchgeführt, für eine bessere retinale Durchblutung zu sorgen.


Isosorbiddinitrat (ISDN)

Eine sublinguale Applikation von Isosorbiddinitrat kann eine Vasodilatation und somit eine mögliche Dislokation des Embolus erreichen.


YAG-Laser

Arterielle Verschlüssen, bei welchen der Embolus sichtbar ist, können auch mit Hilfe eines YAG-Lasers behandelt werden. Hierbei wird versucht den Embolus aus dem Gefäß in den Glaskörperraum zu sprengen. Eine häufige Nebenwirkungen sind Blutungen (subretinal, vitreal).

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Zentralarterienverschluss - Prognose

Trotz adäquater Therapie ist die Prognose für die Sehkraft meistens schlecht? In 30% der Fälle kann nur ein Visus von <0,05 erreicht werden.


Um das Risiko für einen Schlaganfall oder eine cardio-vaskuläre Komplikation zu reduzieren ist eine genaue weitere Abklärung systemischer Risikofaktoren notwendig.

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