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Image by Giammarco Boscaro

Hornhautverkrümmung

Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)

Autor:

ICD-10:   H52.2   Astigmatismus

Hornhautverkrümmung, Astigmatismus oder   Stabsichtigkeit ist eine Form von Fehlsichtigkeit, bei der Betroffene in   allen Entfernungen unscharf sehen. Die Ursache dafür ist, dass eine   unterschiedliche Brechkraft der Hornhaut oder Linse in verschiedenen Achsen. So kann das einfallende Licht   nicht in einem einzelnen Punkt auf der Netzhaut gebündelt werden.


Eine   Hornhautverkrümmung tritt alleine oder in Kombination mit anderen   Fehlsichtigkeiten (Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit) auf.


Mithilfe   von speziellen Brillen, Kontaktlinsen oder Operationen kann eine   Hornhautverkrümmung in der Regel gut ausgeglichen werden.

Das Wichtigste auf einen Blick

Das Wichtigste auf einen Blick

Definition

Brechungsfehler des Auges

Ursachen

Hornhautverkrümmung, Verletzungen, Operationen, Linsenastigmatismus

Symptome

Verzerrtes/ Verschwommenes Sehen in allen Distanzen

Diagnostik

Strahlenfigur nach Snellen, Spaltlampenuntersuchung, Refraktionsbestimmung, Keratometer, Hornhauttopographie

Therapie

Brille, Kontaktlinse, Refraktive Chirurgie (z.B. Laser)

Hornhautverkrümmung - Definition

Unter Astigmatismus („a“ =   „nicht“, „stigma“ = „Punkt“), auch als Stabsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung bezeichnet,   versteht man eine Form von Fehlsichtigkeit. Hierbei kann das einfallende   Licht aufgrund eines Brechungsfehlers des Auges nicht in einem Punkt   fokussiert werden und es wird eine Brennlinie gebildet. Parallel einfallende   Lichtstrahlen, werden abhängig von ihrer Einfallsebene unterschiedlich stark   gebrochen.

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Hornhautverkrümmung – Optische Grundlagen

Bei einer sphärischen Linse werden die einfallenden Lichtstrahlen in einem Brennpunkt   fokussiert und gebündelt. Somit entsteht ein scharfes Bild auf der Netzhaut.   Eine sphärische Linse mit einer Brechkraft von 1 Dioptrie erzeugt ein   scharfes Bild in 1 Meter Entfernung.


Bei einem   Astigmatismus ist die Brechkraft jedoch nicht in jeder Achse gleich. Das   bedeutet, dass die Linse in unterschiedlichen Achsen einfallendes Licht   unterschiedlich stark bricht. Es entsteht folglich kein Brennpunkt, sondern   zwei Brennlinien. Eine Linse, die beispielsweise bei 90° eine Brechkraft von   1 Dioptrien hat und bei 180° eine Brechkraft von 3 Dioptrien hat, erzeugt   zwei unterschiedliche Brennlinien. Eine im Abstand von 1 Meter (senkrecht zur   1 Dioptrie Achse) und eine zweite im Abstand von 33 Zentimeter (senkrecht zur   3 Dioptrie Achse).


Zwischen den beiden   Linien ist ein Bereich in welchem das Bild entsteht. Dieses ist allerdings   unscharf. Je kleiner der Abstand zwischen den beiden Brennlinien, umso   geringer ist die Hornhautverkrümmung.

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Hornhautverkrümmung - Einteilung

Man unterscheidet folgende Arten von Astigmatismus:


Reguläre Hornhautverkrümmung

Bei einer regulären   Hornhautverkrümmung stehen die maximal-brechende und minimal-brechende Ebene   senkrecht in einem Winkel von 90° zueinander.


Astigmatismus   rectus - „mit der Regel“

Hierbei liegt die   Achse mit der höchsten Brechkraft bei etwa 90° (+/- 15°) und die Achse der   niedrigsten Brechkraft bei etwa 180° (+/- 10°)


Astigmatismus   inversus „gegen der Regel“

Hierbei liegt die   Achse mit der höchsten Brechkraft bei etwa 90° (+/- 15°) und die Achse der   niedrigsten Brechkraft bei etwa 180° (+/- 10°)


Astigmatismus   obliquus

Jede Form von   regulärem Astigmatismus, die nicht einer der oben genannten Formen   entspricht.


Irreguläre Hornhautverkrümmung

Bei einer irregulären   Hornhautverkrümmung stehen die maximal-brechende und minimal-brechende Ebene in   einem Winkel ungleich 90° zueinander.

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Hornhautverkrümmung - Symptome

Da eine Hornhautverkrümmung nicht durch das Auge (die Akkommodation) ausgeglichen   werden kann, kommt es bei den Betroffenen in allen Distanzen zu einem unscharfen   Bild.


Leichte Formen der   Hornhautverkrümmung werden meist von den Betroffenen nicht bemerkt. Eine   stärkere Hornhautverkrümmung führt jedoch dazu, dass Gegenstände verzerrt   oder verschwommen aussehen. Oft beschreiben die Betroffenen, dass sie Punkte   oder Lichtquellen als Striche wahrnehmen. Daher kommt auch der Begriff   Stabsichtigkeit.


In der Regel verändert   sich die Hornhautverkrümmungs-Werte im Laufe der Zeit nicht. Das bedeutet,   dass es nicht zu einem Voranschreiten im Laufe der Zeit kommt.


Zusätzlich können   Beschwerden wie schnelle Ermüdung, Kopfschmerzen oder brennende Augen   auftreten. Außerdem ist es möglich, dass neben einem Astigmatismus auch   andere Fehlsichtigkeiten bestehen (Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit).

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Hornhautverkrümmung – Ursachen & Risikofaktoren

Eine Hornhautverkrümmung kann unterschiedliche Ursachen haben. Meistens   wird ein Astigmatismus durch Unregelmäßigkeiten in der Hornhautoberfläche   ausgelöst. Aber auch Veränderungen der Linsen können zu einem   „Linsenastigmatismus“ führen.


Angeborene Hornhautverkrümmung

Die häufigste Ursache   für einen Astigmatismus ist eine von Geburt an bestehende   Hornhautverkrümmung. Bei fast allen Personen kann eine leichte   Hornhautverkrümmung festgestellt werden. In den meisten Fällen wird er jedoch   nicht als störend empfunden. Eine besondere Form der Hornhautverkrümmung ist   der „Keratoglobus“ bei dem eine Ausdünnung der Hornhaut zu einer Vorwölbung   führt.


Narben

Nach Operationen,   Verletzungen, Entzündungen oder Krankheiten können Narben auf der Oberfläche   der Hornhaut entstehen. Diese können zu einer unregelmäßigen Krümmung oder   Lichtbrechung führen und einen Hornhautastigmatismus verursachen.


Linse

Nicht nur die   Hornhaut, sondern auch die Linse kann zu einem Astigmatismus führen. Ein   Linsenastigmatismus kann entweder durch eine unterschiedliche Akkommodation   aufgrund unterschiedlich starker Kontraktion der Ziliarmuskeln ausgelöst oder   durch die angeborene Verformung der Linse verursacht werden.

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Hornhautverkrümmung - Diagnostik

Sowohl ein Augenarzt als auch ein Optiker können im Rahmen der   Untersuchung eine Hornhautverkrümmung feststellen. Hierfür bieten sich unterschiedliche   Untersuchungsmethoden an. Je nach Methode kann eine unterschiedliche genaue Messung erfolgen.


Astigmatismus Selbsttest

Mithilfe der   Strahlenfigur nach Snellen oder einem Astigmatismus-Sonnenrad kann man   selbstständig überprüfen, ob ein Astigmatismus besteht. Hierzu betrachtet man   das Zentrum der Strahlen mit einem Auge. Dabei sollten alle Strahlen dieselbe   Dicke und den gleichen Abstand haben. Ist dies nicht der Fall oder erscheinen   Strahlen in einer Achse als unscharf, so könnte ein Astigmatismus bestehen   und es empfiehlt sich eine weitere Abklärung durch einen Augenarzt.


Subjektive Refraktion

Bei der Bestimmung der   subjektiven Refraktion werden dem Patienten so lange Linsen in   unterschiedlicher Stärke angeboten, bis diese zu keiner Verbesserung des   Sehens mehr führen. Mithilfe eines sogenannten Kreuz-Zylinders (=   Jackson-Kreuzzylinder) kann dabei auch ein vorliegender Astigmatismus   bestimmt und korrigiert werden.


Objektive Refraktion

Verfahren zur   Bestimmung der objektiven Refraktion können durch die Projektion von   Infrarotbildern auf den Augenhintergrund ebenfalls Aussagen über eine bestehende   Hornhautverkrümmungen geben. Ein Kreuzzylinder besteht aus einer Linse, die   auf einer kurzen Stange befestigt ist. Dabei hat eine Achse positive Dioptrienwerte   (z.B. + 0,5 dpt), während die um 90° versetzte Achse negative Dioptrienwerte   aufweist (z.B. -0,5 dpt).


Ophthalmometer/ Keratometer

Ein Ophthalmometer oder   Keratometer ist ein Messgerät zur Bestimmung der Oberflächenkrümmung der   Hornhaut. Hierbei wird anhand von Reflexbildern die Krümmung der Hornhaut   beurteilt. Eine modernere Variante stellt des Videokeratometer dar.


Hornhauttopografie

Mithilfe moderner   Methoden ist es möglich, eine detailgenaue Analyse der Hornhaut   durchzuführen. Hierfür können unterschiedliche Methoden (Scheimpflug Prinzip,   Placidoscheibe, OCT) verwendet werden, um „Landkarten“ der Hornhaut zu   erzeugen. Mit Hilfe mathematischer Methoden können so Daten wie die Krümmung,   die Dicke oder auch die Brechkraft der Hornhaut Vorder- und Rückfläche   berechnet und grafisch veranschaulicht werden.

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Hornhautverkrümmung - Therapie

Ob und wie eine Hornhautverkrümmung behandelt werden kann, hängt   insbesondere von der Art und Ausprägung des Astigmatismus ab.


Bei sehr leichten   Formen bemerken die Betroffenen oft keinerlei Beeinträchtigung und demnach   ist keine Korrektur notwendig.


Ein regulärer   Astigmatismus kann mit sogenannten zylindrischen Linsen ausgeglichen werden.   Diese bestehen aus einem torischen Glas und benötigen oft eine gewisse Zeit   für die Eingewöhnung. Besteht gleichzeitig auch noch eine Kurzsichtigkeit   oder Weitsichtigkeit, so können torische Gläser auch mit sphärischen Gläsern   kombiniert werden.


Spezielle sphärische   Kontaktlinsen können zur Korrektur von gewissen Formen, eines regulären oder   irregulären Astigmatismus angewendet werden.


Für die dauerhafte   Korrektur einer Hornhautverkrümmung besteht außerdem die Möglichkeit der   „Refraktiven Chirurgie“. Unter diesem Begriff werden Operationen   zusammengefasst, die die gesamt Brechkraft des Auges verändern. Insbesondere   Laserverfahren, wie LASIK, LASEK, PRK oder Femtosekunden-Lentikel-Extraktion,   eignen sich dabei zur Korrektur von Hornhautverkrümmungen.


In manchen   Ausnahmefällen besteht jedoch keine Möglichkeit zur Korrektur einer   Hornhautverkrümmung. Dann besteht nur die Möglichkeit der Korrektur mit dem   sogenannten sphärischen Äquivalent. Hierbei wird jedoch nicht der   Astigmatismus, sondern die gesamt Brechkraft des Auges mit Hilfe von   Brillengläsern oder Kontaktlinsen korrigiert und somit nicht immer eine   vollständige Besserung erzielt.

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