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Geheimnisse der Iris – Was bestimmt die Augenfarbe meines Kindes?

Die Augenfarbe eines Kindes ist mehr als nur ein hübsches Detail – sie ist das Ergebnis eines faszinierenden Zusammenspiels aus Genetik, Biologie und Physik. In der Iris, dem farbigen Teil des Auges, treffen Pigmente und Gene aufeinander und erschaffen ein einzigartiges Farbenspiel. Ob blau, grün, braun oder dazwischen: Jede Augenfarbe erzählt eine kleine Familiengeschichte – und manchmal auch eine Überraschung.


Die Rolle der Iris und des Melanins

Die Augenfarbe entsteht in der Iris, die aus mehreren Schichten besteht. In ihr produzieren sogenannte Melanozyten das Pigment Melanin, das in zwei Varianten vorkommt:

  • Eumelanin erzeugt braune bis schwarze Farbtöne

  • Phäomelanin gelbliche bis rötliche Nuancen – etwa bei grünen oder haselnussfarbenen Augen


Entscheidend für die Augenfarbe ist die Menge und Verteilung dieser Pigmente:

  • wenig Melanin: blaue Augen

  • mittlere Menge: grüne oder haselnussbraune Augen

  • viel Melanin: braune bis schwarze Augen


Viele Babys werden zunächst mit blauen Augen geboren, da die Melaninproduktion bei der Geburt oft noch nicht abgeschlossen ist. Das wenige vorhandene Melanin streut das einfallende Licht – ein Effekt, der als Tyndall-Effekt bekannt ist und auch den Himmel blau erscheinen lässt. Erst im Laufe des ersten Lebensjahres entwickelt sich durch zunehmende Pigmentbildung die endgültige Augenfarbe.



Die Genetik hinter der Augenfarbe 

Die Augenfarbe ist ein sogenanntes polygenes Merkmal – sie wird nicht durch ein einzelnes Gen, sondern durch das Zusammenspiel vieler Gene bestimmt. Im Zentrum stehen Gene, die die Produktion und Verteilung von Melanin beeinflussen.


Besonders wichtig sind:

  • OCA2: steuert maßgeblich die Produktion von Melanin und erklärt bis zu 74 % der Farbvariationen – viel Melanin bedeutet braune Augen, wenig Melanin führt zu blauen oder grünen.

  • HERC2: reguliert OCA2. Eine bestimmte Variante hemmt die Melaninproduktion – typisch für blaue Augen.

  • TYR: codiert das Enzym Tyrosinase – es enthält also die genetische Anleitung für die Herstellung von Tyrosinase und ist für die Melaninbildung essenziell ist; Mutationen können zu Albinismus führen.

  • Weitere Gene wie TYRP1, SLC24A4 und SLC45A2 verfeinern die Pigmentierung.


Das Vererbungsmuster ist komplex: Mehr als 16 Gene und zahlreiche Genvarianten (SNPs) beeinflussen gemeinsam die Augenfarbe. Zwar gilt eine grobe Dominanzreihenfolge – Braun > Grün > Blau > Grau – doch selbst zwei braunäugige Eltern können ein Kind mit blauen Augen bekommen, wenn beide das entsprechende rezessive Gen tragen. Zwei blauäugige Eltern hingegen bekommen fast immer ein Kind mit blauen Augen, da sie keine dominanten Pigmentgene weitergeben.


Heute kennt man über 50 Genvarianten, die die Vielfalt an Augenfarben mitbestimmen – von Blau über Grün, Haselnuss und Grau bis hin zu seltenen Mischfarben. Die Augenfarbe lässt sich daher nur mit Wahrscheinlichkeiten vorhersagen – sie bleibt ein genetisches Puzzle mit Überraschungspotenzial.


Besonderheiten und seltene Augenfarben

Grüne Augen sind weltweit sehr selten – nur etwa 2–4 % der Bevölkerung besitzen sie. Dabei entsteht die Farbe nicht durch ein eigenes Pigment, sondern durch das Zusammenspiel blauer Grundfarbe mit gelblich-braunen Pigmenteinsprengseln.


Auch außergewöhnliche Töne wie Bernstein oder Rot beruhen auf seltenen genetischen Kombinationen:

  • Bernsteinfarbene Augen entstehen durch einen höheren Anteil am gelb-roten Pigment Phäomelanin

  • Bei Albinismus fehlt das Melanin fast vollständig, wodurch die Augen rötlich erscheinen können


Funktion und Evolution der Augenfarbe

Augenfarbe ist nicht nur ästhetisch, sondern auch funktional: Melanin schützt das Auge vor UV-Strahlung.

  • In sonnenreichen Regionen kommen daher häufiger dunkle Augen mit hohem Melaningehalt vor – sie bieten natürlichen Lichtschutz

  • In lichtarmen Regionen hingegen überwiegen helle Augenfarben, da weniger Melanin mehr Licht ins Auge lässt und die Sehleistung verbessert


Ursprünglich hatten alle Menschen braune Augen. Die blaue Augenfarbe entstand vor etwa 6.000–10.000 Jahren durch eine Mutation im OCA2-Gen – vermutlich nur ein einziges Mal. Alle blauäugigen Menschen stammen daher von einem gemeinsamen Vorfahren ab.

In Nord- und Osteuropa verbreiteten sich helle Augen besonders stark – etwa in Finnland, wo bis zu 90 % der Bevölkerung blaue Augen haben. Neben der Lichtanpassung könnte auch sexuelle Selektion eine Rolle gespielt haben: Seltene Augenfarben galten als attraktiv und setzten sich möglicherweise dadurch durch.


Fazit: Die Farbe der Augen – genetisch, geheimnisvoll, individuell

Die Augenfarbe wird polygen vererbt, das heißt: Viele verschiedene Gene wirken gemeinsam daran mit, welche Farbe unsere Augen letztlich haben. Besonders wichtig sind dabei die Gene OCA2, HERC2 und TYR – doch auch zahlreiche weitere Genvarianten beeinflussen das Ergebnis.Auch wenn braune Augen meist dominanter sind, können selbst zwei braunäugige Eltern ein Kind mit blauen Augen bekommen. Am Ende bleibt festzuhalten: Die Augenfarbe ist ein einzigartiges Puzzle und ein echtes Familiengeheimnis.


 
 
 

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