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Diabetische Retinopathie: Warum Diabetiker regelmäßig zum Augen-Check sollten

16. Okt.
3 Min. Lesezeit

Diabetes betrifft nicht nur Bauchspeicheldrüse, Nieren und Herz. Auch die Augen tragen die Folgen eines dauerhaft erhöhten Blutzuckers, oft über Jahre, ohne dass Betroffene davon etwas merken. Die diabetische Retinopathie gilt in Industrieländern als eine der häufigsten Ursachen für Erblindung im erwerbsfähigen Alter. Das ist eine ernüchternde Häufigkeit, gerade weil sich die Erkrankung mit regelmäßigen Kontrollen in den meisten Fällen gut im Griff behalten lässt.


Pflegekraft misst bei einem Patienten in einer Praxis den Blutzucker

Der Grund für die Gefahr liegt in der Art, wie diese Erkrankung fortschreitet. Sie tut oft so lange nicht weh, bis Spätfolgen aufgetreten sind und wird dadurch von den Betroffenen oft erst dann bemerkt, wenn bereits ein Schaden entstanden ist. Wer weiß, was im Auge passiert und wann eine Kontrolle ansteht, kann diesem Verlauf vorbeugen.


Was passiert bei einer diabetischen Retinopathie im Auge?

Chronisch erhöhter Blutzucker schädigt über Jahre die kleinen Blutgefäße der Netzhaut. Mediziner sprechen von Mikroangiopathie: den feinsten Gefäßen im Körper setzt der Zucker besonders zu, und die Netzhaut ist auf ein dichtes Netz solcher Gefäße angewiesen, um ihre Sehzellen zu versorgen.


Zwei Entwicklungen sind dabei typisch. Zum einen werden die Gefäßwände undicht. Flüssigkeit und Blutbestandteile lagern sich im Gewebe ab, unter anderem in der Makula, dem Punkt des schärfsten Sehens. Ein solches Makulaödem kann die zentrale Sehschärfe deutlich beeinträchtigen. Zum anderen verschließen sich manche Gefäße vollständig. Der Körper reagiert darauf, indem er neue Gefäße bildet, um die Unterversorgung auszugleichen. Diese neuen Gefäße sind allerdings instabil und brüchig. Mediziner sprechen dann von einer proliferativen Retinopathie. Die neu gebildeten Gefäße können leicht bluten, und im fortgeschrittenen Stadium drohen Komplikationen bis hin zur Netzhautablösung.


Warum bleibt die Erkrankung so lange unbemerkt?

Die Netzhaut hat keine Schmerzrezeptoren, und ihre Peripherie kann erheblichen Schaden nehmen, ohne dass sich das im Alltag bemerkbar macht. Solange die Makula selbst noch nicht betroffen ist, bleibt die zentrale Sehschärfe oft lange stabil. Genau das macht die diabetische Retinopathie so tückisch: Eine Sehverschlechterung tritt häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf, wenn bereits ein größerer Teil der Netzhaut geschädigt ist.


Wer auf spürbare Symptome wartet, bevor er zur Kontrolle geht, verpasst genau das Zeitfenster, in dem sich am meisten erreichen lässt. Zusammen mit dem Blutdruck gehört der Blutzucker zu den beiden Faktoren, die den Augen von Diabetikern am meisten zusetzen. Wie diese beiden Werte zusammenspielen und die Netzhaut gemeinsam belasten, beschreibt der Beitrag Bluthochdruck und Diabetes: eine Gefahr für die Augen ausführlicher.


Wie oft sollten Diabetiker zur augenärztlichen Kontrolle?

Als Faustregel gilt: mindestens einmal jährlich, unabhängig davon, ob subjektiv Beschwerden vorliegen. Bei Typ-1-Diabetes wird die erste augenärztliche Kontrolle meist etwa fünf Jahre nach der Erstdiagnose empfohlen, danach jährlich. Bei Typ-2-Diabetes sieht die Empfehlung anders aus, weil die Erkrankung oft schon länger unerkannt besteht, bevor sie diagnostiziert wird. Hier wird häufig schon ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung zur augenärztlichen Kontrolle geraten.


Diese Kontrolle findet unabhängig von der internistischen Diabetesbetreuung statt und ersetzt sie nicht. Bei Auffälligkeiten oder bereits bestehender Retinopathie können kürzere Kontrollabstände sinnvoll sein. Das legt der behandelnde Augenarzt individuell fest, je nach Befund.


Was können Sie selbst zur Vorbeugung tun?

Eine gute Einstellung von Blutzucker und Blutdruck gilt als wichtigste Vorbeugung gegen die diabetische Retinopathie. Wer diese beiden Werte im empfohlenen Zielbereich hält, senkt das Risiko für Gefäßschäden an der Netzhaut spürbar. Das gelingt am besten in enger Abstimmung mit der behandelnden Hausarzt- oder Diabetespraxis, die die individuellen Zielwerte festlegt.


Die regelmäßige augenärztliche Kontrolle bleibt dabei unverzichtbar, so gut die Werte auch eingestellt sind. Sie ist das einzige Mittel, mit dem sich beginnende Veränderungen an der Netzhaut zuverlässig feststellen lassen, bevor sie sich im Sehvermögen bemerkbar machen. Je früher eine Retinopathie erkannt wird, desto mehr Möglichkeiten bestehen, ihren Verlauf zu bremsen und das Sehvermögen zu erhalten.


Wenn Sie mit Diabetes leben und Ihre letzte augenärztliche Kontrolle länger als ein Jahr zurückliegt, ist das ein guter Anlass, einen Termin zu vereinbaren, auch wenn Sie subjektiv nichts an Ihren Augen bemerken.

 
 
 

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