Arzt macht Blinde sehend
- Augenarzt Online

- 23. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 4 Stunden
Seit vier Jahren reist ein Team aus Augenärzten und Chirurgen regelmäßig nach Guatemala, um Menschen zu operieren, die sonst keinen Zugang zu augenärztlicher Versorgung hätten. Aus einzelnen Einsätzen ist ein nachhaltiges Projekt geworden.

Rund 800 Kataraktoperationen führt Dr. med. Konstantin Seiller-Tarbuk Jahr für Jahr am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien durch – an der größten Augenabteilung des Landes, die jährlich rund 8.000 Patientinnen und Patienten versorgt. Der Graue Star, eine Trübung der Augenlinse, ist der häufigste Grund für vermeidbare Erblindung weltweit. In Österreich ist der Eingriff Routine: Die getrübte Linse wird durch eine künstliche ersetzt, die Patienten sehen meist schon am nächsten Tag wieder klar. Anderswo aber fehlt für genau diese Operation oft das medizinische Personal sowie die finanziellen Mittel.

Seit vier Jahren bringt Seiller-Tarbuk sein Können deshalb auch außerhalb Österreichs ein. Gemeinsam mit Dr. med. Montserrat Masats hat er das Hilfsprojekt „Augen auf Guatemala“ mitentwickelt und von Grund auf aufgebaut – in Partnerschaft mit den Organisationen ICEP und FUNDAP, die die Arbeit vor Ort koordinieren.
Der Bedarf ist enorm. In Guatemala, dem bevölkerungsreichsten Land Zentralamerikas, gibt es viel zu wenige Augenärzte. Besonders betroffen ist die indigene Bevölkerung im westlichen Hochland: Rund um Quetzaltenango leben etwa 800.000 Maya, für die der Weg zu einer Behandlung bislang rund zehn Stunden bis in die Hauptstadt bedeutet.
Für viele ist das schlicht nicht leistbar – und so warten Menschen über Jahre, bis sie kaum noch etwas sehen.
Genau hier setzt das Projekt an. Statt nur einzelne Patienten zu operieren, haben Seiller-Tarbuk und Masats vor Ort eine funktionierende OP-Struktur aufgebaut. In einem örtlichen Spital werden Räumlichkeiten und Geräte genutzt; das benötigte Material – von Linsen bis zu Instrumenten – bringt das Team aus Österreich mit. Aus dem ersten Einsatz ist über die Jahre eine eingespielte Routine geworden: Mittlerweile reist ein siebenköpfiges Ärzteteam an, das in wenigen Wochen Hunderte Untersuchungen und Operationen bewältigt.
Behandelt wird dabei nicht nur der Graue Star. Auch Pterygien – Bindehautwucherungen, die das Sehen beeinträchtigen – werden entfernt, und in geeigneten Fällen kommen Laserbehandlungen zum Einsatz. So lässt sich ein breites Spektrum jener Augenerkrankungen abdecken, die in der Region am häufigsten unbehandelt bleiben.

Ein wesentlicher Teil der Arbeit ist die Ausbildung. Die österreichischen Ärzte schulen lokale Kolleginnen und Kollegen ein, geben Operationstechniken für die Kataraktoperation weiter und bauen Wissen auf, das bleibt. Denn das eigentliche Ziel ist nicht, möglichst viele Eingriffe in möglichst kurzer Zeit zu leisten, sondern eine Versorgung zu schaffen, die auch zwischen den Einsätzen funktioniert.
Die Eingriffe verändern Leben.
Viele Patienten kommen nahezu blind in die Behandlung; in Österreich würde man weit früher operieren. Nach dem Eingriff können viele von ihnen erstmals seit Jahren wieder sehen – manche zum ersten Mal das Gesicht ihrer eigenen Kinder. Es sind diese Momente, die das Projekt tragen und Jahr für Jahr ein Team aus Wien zurück in das guatemaltekische Hochland führen.
180 Operationen in drei Wochen
„Wir haben in drei Wochen etwa 900 Untersuchungen und über als 180 Operationen durchgeführt. Viele Patienten waren fast vollständig blind, in Österreich wird viel früher operiert“, schilderte einer der Operateure. „Die Menschen sind natürlich unglaublich dankbar. Eine Mutter sah etwa nach der Operation zum ersten Mal ihr eigenes Kind. Ich werde nächstes Jahr sicher wieder dabei sein“




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